Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Ein Anreiz für die private Finanzierung

Finanzsenator Dr. Matthias Kollatz-Ahnen über Matching Funds als Finanzierungsmodell für die Einstein Stiftung.

 

Herr Finanzsenator, Sie sind der Urheber der Idee der sogenannten „Matching Funds“, das heißt, jeder Euro, den die Stiftung an privaten Mitteln akquiriert, wird mit zusätzlichen 50 Cent an öffentlichen Mitteln belohnt. Welche Erwartungen verbinden Sie mit diesem Modell?

 

Die Idee der komplementären privaten und öffentlichen Finanzierung von Stiftungen und Projekten ist ja bisher vor allem in den USA verbreitet. Dort profitieren insbesondere Kultur, Wissenschaft und Forschung. Mit Matching Funds erhalten häufig gerade die Projekte Unterstützung, deren Chancen auf Finanzierung sonst eher gering sind. Gelingt es, eine bestimmte Summe privat einzuwerben, wird sie mit einer festgelegten Summe staatlicher Finanzierung ergänzt. Matching Funds bieten einen Anreiz für private Finanzierung. Projekte können damit ihren Rückhalt verbreitern, das meint übrigens nicht nur den finanziellen. In Deutschland etabliert sich diese Art, Dritte an der Finanzierung zu beteiligen, erst allmählich. Hier ist das Verfahren auch etwas anders aufgesetzt: Der Staat sagt zu, jede neu erbrachte private Spende in einem bestimmten Verhältnis, in der Regel 1:2 oder 1:3, aufzustocken. Der besondere Anreiz besteht also darin, dass die Förderung nicht auf eine bestimmte Summe begrenzt bleibt, sondern nach oben offen ist.

 

Was hat Sie auf die Idee gebracht?

 

Aus meiner früheren Tätigkeit bei Förderbanken kenne ich tatsächlich Beispiele. Dort sind Kofinanzierungsmodelle sehr verbreitet. Bei der Europäischen Investitionsbank ging es zudem oft um anspruchsvolle Finanzierungen grenzüberschreitender Projekte, gerade im Forschungsbereich. Das bezog nicht nur zwei, sondern auch mal drei und mehr Länder mit ein. 

 

Wie funktionieren denn die Matching Funds konkret?

 

Matching Funds heißt ja erst einmal, dass diese Mittel der Kofinanzierung aus Eigenmitteln des Antragsstellers bedürfen. Sie sind gut geeignet, einen Anreiz für Dritte zu schaffen, sich an der Finanzierung von Vorhaben, eben Kunst, Kultur, Wissenschaft, zu beteiligen. Wir formulieren eine Zielvorgabe, um es planbar zu machen. Für das Einstein-Zentrum Digitale Zukunft haben wir 2,25 Millionen Euro pro Jahr als Landesmittel Berlins vorgesehen. Darüber hinaus beteiligen sich diverse öffentliche und private Unternehmen am Zentrum. Wenn es sich bei diesen Zuschüssen von Dritten um Mittel handelt, die den Regeln der Spendenakquise entsprechen, erhält die Einstein Stiftung für dieses privat eingeworbene Volumen dann öffentliche Mittel im Verhältnis 1:2. Für jeden eingeworbenen Euro an privaten Mitteln gibt das Land Berlin der Einstein Stiftung also 50 Cent. Hierfür haben wir im aktuellen Haushaltsentwurf jeweils 3 Mio. Euro jährlich vorgesehen.

 

Wofür können die Matching Funds verwenden werden?

 

Hier kann es, muss es aber nicht inhaltliche Vorgaben geben. Beides ist möglich: eine zweckgebundene, auf ein konkretes Projekt oder Programm bezogene Kofinanzierung oder eine eher „grundständige“ Finanzierung. Wichtig ist, dass die von Dritten akquirierten Mittel auch dem beworbenen Zweck entsprechend eingesetzt werden. 

 

Private Fördermittel für die Wissenschaft haben in Deutschland keine lange Tradition. Welchen Handlungsspielraum für die Stiftung sehen Sie?

 

Ich denke, dass sich Matching Funds gerade besonders gut für eine Einrichtung wie das Einstein-Zentrum eignen. Sie arbeiten vernetzt, sind im Austausch mit universitären Partnern, anderen Stiftungen, Unternehmen, der Zivilgesellschaft und der öffentlichen Verwaltung. Die Vielfalt Ihrer Kontakte eröffnet viele Chancen, Ihre Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Michael Müller hat dies die „Kultur der Zusammenarbeit“ der Einstein Stiftung genannt. Das trifft es sehr gut. 

 

Dr. Matthias Kollatz-Ahnen ist seit Anfang Dezember 2014 Finanzsenator von Berlin. Der studierte Physiker und Volkswirt war zuvor unter anderem Senior Adviser bei PricewaterhouseCoopers und Vorstandsmitglied der Europäischen Investitionsbank. In einem Interview spricht er über den Anreiz privater Finanzierung in Deutschland. 

 

Das Interview finden Sie auch in unserem Jahresbericht 2016 hier 

Foto: Anno Dittmer

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