Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Zur Person

Dr. med. Manfred W. Elff ist Mitglied der Geschäftsführung der Biotronik SE & Co. KG, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Medizintechnologie sowie Vorstandsvorsitzender des Niedersächsischen Zentrums für Biomedizintechnik und Implantatforschung in Hannover. Er hat Physik und Medizin studiert und vor seinem Wechsel in die Wirtschaft zunächst sechs Jahre als wissenschaftlicher Assistent an der Ruhr-Universität Bochum gearbeitet. Seit September 2013 ist er Beiratsmitglied der Einstein Stiftung Berlin.


Weniger Bürokratie, mehr Vernetzung

Vor 50 Jahren gründete der Physiker und spätere Ordinarius für Medizintechnik, Max Schaldach, in einem Neuköllner Hinterhof die Firma Biotronik, nachdem er gemeinsam mit einem Kollegen den ersten implantierbaren Herzschrittmacher entwickelt hatte. Heute gehört Biotronik zu den vier Weltmarktführern im Bereich kardiovaskulärer Medizintechnik und beschäftigt weltweit rund 7.000 Mitarbeiter – 2.500 von ihnen arbeiten weiterhin am Standort Neukölln. Ein Gespräch mit dem Biotronik-Geschäftsführer Manfred W. Elff über Medizintechnik und Wissenschaft in Berlin.

Fällt es Ihrem Unternehmen leicht, am Standort Berlin Top-Fachkräfte zu rekrutieren?

Es ist deutlich leichter geworden, gute Leute nach Berlin zu holen. Berlin hat in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen, sodass wir besser als früher Akademiker aus anderen deutschen Städten anwerben und langfristig an den Standort binden können. Schwierigkeiten gibt es eher im Bereich der Lehrberufe.

Welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit Ausgründungen so erfolgreich sind wie Biotronik?

Die wichtigste Rahmenbedingung kann man nicht schaffen: Es sind die Menschen, die Unternehmergeist mitbringen. Heutzutage haben es Spin-offs schwerer, weil die Qualitätsanforderungen, insbesondere deren Dokumentation, höher geworden sind. Dazu kommt ein Wust an Bürokratie, den ein kleines Team kaum bewältigen kann. Dort müsste man Hilfen und Vereinfachungen anbieten – ohne Abstriche bei der Qualität.

Woran fehlt es den Berliner Gesundheitswissenschaften noch?

Die Gesundheitswissenschaften sind in Berlin außergewöhnlich vielfältig und stark, doch es fehlt ihnen an stärkerer Vernetzung und Transparenz. Seit fünf Jahren bin ich wieder in Berlin tätig und es ist zum Teil immer noch schwer zu durchschauen, welche Institutionen es gibt und wofür sie stehen. Dort müsste man konkret ansetzen – zum Beispiel mit einer Art Branchenführer.    

Welchen Beitrag leistet die Einstein Stiftung in Ihren Augen für die Berliner Wissenschaft?

Die Einstein Stiftung spielt eine bedeutende Rolle, weil sie kluge Leute vernetzt, die an demselben Thema forschen. Ich glaube, dass es wichtig ist, nicht nur rein technisch in Kontakt zu sein. Institutionen und Fächer übergreifender Austausch entsteht gerade dann, wenn man gemeinsam an einem Ort arbeitet. Und dieser Ort sollte immer häufiger Berlin sein. Dafür steht die Einstein Stiftung. 

Wofür wollen Sie sich als Beiratsmitglied der Einstein Stiftung einsetzen?
 
Durch die Vernetzung, die die Einstein Stiftung ermöglicht, entsteht mehr Know How. Von diesem Mehrwert können auch die Berliner Unternehmen profitieren. Ich möchte dazu beitragen, die Top-Forschung mit interessierten Berliner Unternehmen zusammenzubringen.

Das Interview führten Christian Martin und Julia Walter.

Foto: ESB/Christian Martin