Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Roarke Horstmeyer

Roarke Horstmeyer vom California Institute of Technology in Pasadena forscht gemeinsam mit Benjamin Judkewitz vom Exzellencluster Neurocure zum Thema Bioimaging und Neurophotonik. Das Labor will neue Ansätze entwickeln, um mit passenden bildgebenden Verfahren und Elektrophysiologie auch solche Schaltkreise im Gehirn zu untersuchen, die bisher mit nichtinvasiven Verfahren nicht zugänglich waren.

Zum Video-Porträt

Mein Projekt

Licht spielt eine immer bedeutendere Rolle als Werkzeug in den experimentellen Neurowissenschaften. Fluoreszierende Proteine werden routinemäßig verwendet, um interessante Neuronen zu beleuchten. Und mit Werkzeugen aus dem neuen Forschungsfeld der Optogenetik ist es nun auch möglich, einzelne Neuronen zu aktivieren oder zu deaktivieren, einfach, indem Licht auf sie fokussiert wird. Wer schon einmal eine Taschenlampe hinter seine Hand gehalten hat, weiß, dass Licht signifikant streut, wenn es durch Gewebe scheint. Aus diesem Grund arbeiten viele der aktuellen optischen Werkzeuge in der experimentellen Neurowissenschaft nur an den oberen Schichten des Gehirns, weil es eine große Herausforderung bedeutet, das Licht unter seiner Oberfläche zu fokussieren. Mein Forschungsprojekt zielt darauf ab, Licht auch in den tieferen Schichten des Gehirns kontrollieren zu können. Wir nutzen neue optische Designs und Verarbeitungsalgorithmen, um die Effekte der optischen Streuung rückgängig zu machen. Wir versuchen dabei, lebende Neuronen aus Hirnarealen zu lösen, die bisher vor unserem Blick verborgen waren.

Nachgeforscht


Was tun Sie morgens als Erstes, wenn Sie an Ihren Arbeitsplatz kommen, und warum?

Wenn ich morgens am Arbeitsplatz ankomme, greife ich mir als erstes eine Tasse Kaffee. Dann gehe ich meine Notizen vom Vortag durch. Das hilft mir, wieder in die Denkweise zurückzukehren, in der ich vorm Verlassen des Labors am Abend zuvor war. Trotzdem ist es nie exakt die selbe Denkweise – hierdurch gelingt es mir häufig gerade in diesen Momenten am besten, die Fehler zu erkennen, die ich eventuell am Vortag gemacht habe. Außerdem kann ich so die Probleme, über die ich zuvor nachgedacht habe, aus einer neuen Perspektive betrachten.

 

Wie sähe Ihr Forschungsprojekt aus, wenn es ein Kunstobjekt wäre?
Ich denke, mein Forschungsprojekt würde wahrscheinlich wie ein abstraktes Gemälde aussehen, zum Beispiel wie eines von Franz Kline. Oder vielleicht eher wie ein Film von den Coen-Brüdern. Ein primäres Ziel meiner Arbeit ist es, Dinge sehen zu können, die tief im Gewebe begraben liegen und dem bloßen Auge normalerweise verborgen bleiben. Wir nutzen auch optische Standard-Tools, aber kombiniert mit einigen sehr klugen IT-Tricks. In gewisser Weise erinnert mich diese Art des Arbeitens an den Prozess, ganz langsam die Bedeutung eines abstrakten Kunstwerkes aufzudecken, indem man sorgfältig darüber nachdenkt und nicht einfach beim ersten Interpretationsgedanken stehen bleibt.

 

Gibt es einen konkreten Ort in Berlin, den Sie mit Ihrer Forschungsarbeit verbinden?
Ich habe es noch nicht geschafft, mir die ganze Stadt anzuschauen. Aber weil ich viel mit Licht arbeite, ist mir aufgefallen, dass es einen Ort gibt, wo das Licht ganz besonders fantastisch wirkt: Abends in einem Biergarten. Man könnte sogar sagen, dass die Lichtstrahlen, die über die Tische fallen, ein bisschen wie fluoreszierende Zellen oder Neuronen im Gehirn aussehen – aber das könnte jetzt ein bisschen zu weit führen. 

 

In welchem Berliner Bezirk fühlen Sie sich wohl, und warum?

Bisher habe ich nur einen kleinen Teil von dem gesehen, was Berlin zu bieten hat, aber ich habe es wirklich genossen, mit dem Fahrrad auf dem Tempelhofer Feld herumzufahren. Das ist ein wirklich einmaliger Ort und es ist wunderschön dort, wenn die Sonne scheint. Ich fahre sehr gern Skateboard und auf dem Tempelhofer Feld sah ich zum ersten Mal viele Leute, die mit einer Kombination aus Kite und Skateboard herumfuhren. Das sah nach sehr viel Spaß aus. 

 

Welche Eigenschaften unterscheiden einen Forscher Ihrer Meinung nach von anderen Menschen?

Eine Eigenschaft, die meiner Meinung nach einzigartig an Wissenschaftlern ist, ist, dass sie in der Regel recht optimistisch bezüglich ihrer langfristigen Ziele und Vorhaben sind. Experimente können Monate oder Jahre in Anspruch nehmen, bis sie abgeschlossen sind, und sie bergen in der Regel viele Herausforderungen und Gefahren. Dadurch sind Wissenschaftler ziemlich gut darin trainiert, in schwierigen Lagen positiv zu bleiben. Das hilft auch dabei, eine Vogelperspektiven-Mentalität für schwierige Probleme einzunehmen. Ich denke, diese beiden Attribute führen zu einem insgesamt positiven Blick auf die langfristigen Probleme, denen wir gegenüberstehen.


(April 2016)

Foto: 
Pablo Castagnola

-->