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Einstein-Professor Steffen Müller

Viele Menschen interessieren sich für Autos, doch kaum einer versteht sie so gut wie Steffen Müller. Seine Expertise in der Fahrwerkregelung und in Fahrerassistenzsystemen wird der renommierte Forscher als Einstein-Professor an der TU Berlin einbringen. Dort schloss der Ingenieurwissenschaftler auch sein erstes Studium ab, danach forschte er an der Cambridge University und an der University of California, Berkeley. Vor seiner Berufung an die Universität Kaiserslautern arbeitete er als Projektleiter am BMW Forschungs- und Innovationszentrum.

»Ich möchte Autos sicherer machen«

Herr Müller, fahren Sie selbst gerne Auto?
Ja, aber nicht immer. Mich fasziniert die Technologie, und Mobilität halte ich für ein sehr wichtiges Gut. Zur Arbeit nehme ich aber die öffentlichen Verkehrsmittel, weil ich mich da mit anderen Dingen beschäftigen kann. Ich finde es einen großen Nachteil beim Autofahren, dass man an die Führung des Fahrzeugs gebunden ist, selbst wenn die Fahraufgabe monoton ist.

Ich begeistere mich für Autos, aber ich bin nicht von klein auf mit dem Gedanken groß geworden, Kraftfahrzeuge zu bauen. Ich habe Luft- und Raumfahrt studiert und bin dann über die Schienenfahrzeuge zur Fahrzeugtechnik gekommen. Meine Begeisterung für Kraftfahrzeuge begann bei BMW in der Forschungsabteilung. Seither reizt mich die Aufgabe, Autos sicherer und attraktiver zu machen. Aber ich sehe das Auto nicht als das ultimative Transportmittel.

Woran arbeiten Sie derzeit?
Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit der Interaktion von unterschiedlichen Assistenzsystemen. Wir analysieren gerade, inwieweit das Zusammenwirken etwa eines Abstandhaltesystems und eines Spurhalteassistenten mit einem überhol- oder Spurwechselwarnsystem die Beherrschbarkeit einer Fahrsituation beeinflusst. Stellen Sie sich vor, Sie fahren, und plötzlich schert ein anderes Fahrzeug vor Ihnen ein. Ihr Abstandregelsystem will dann übergeben, weil es eine Gefahrensituation erkennt, wenn jemand so dicht vor Ihnen fährt. Gleichzeitig blinkt es, weil jemand Sie links überholt, und wenn Sie in einer Kurve fahren, greift der Spurhalteassistent gleichzeitig in die Lenkung ein. Das kann zur Überforderung des Fahrers führen. Solche Szenarien schauen wir uns an.

Wann werden unsere Fahrzeuge ohne uns fahren?
In der Presse heißt es oft, das sei 2020 der Fall. Aber ich wäre da vorsichtig, auch wenn Google bereits fahrerlose Fahrzeuge erprobt und Daimler eine Demonstrationsfahrt über 100 Kilometer durchgeführt hat. Der Wagen fuhr autonom, doch es saß immer ein Fahrer am Steuer, der hätte eingreifen können. Die Entwicklung wird in Schritten erfolgen. Assistenzsysteme regeln ja bereits den Abstand, sorgen dafür, dass die Spur eingehalten wird oder chauffieren Sie sicher im Stau. In der Gebrauchsanweisung steht bei all diesen Systemen: Sie müssen sie ständig überwachen und die Hände am Lenkrad behalten. Dass man erste Nebenbeschäftigungen erledigen darf, wird vermutlich innerhalb der nächsten Jahre kommen. Vielleicht darf man lesen oder SMS schreiben – aber von der Vision des vollautomatisierten Fahrens sind wir noch ein gutes Stück entfernt.

Foto: Pablo Castagnola

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