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Adele Goldberg

Wer sich mit der einflussreichen linguistischen Theorie der Konstruktionsgrammatik beschäftigen will, kommt an Adele Goldberg nicht vorbei: Die Professorin aus Princeton hat den Ansatz, der Sprachverwendung als ein Zusammenspiel von Erfahrung, Situation und begrifflichen Verknüpfungen versteht, entscheidend weiterentwickelt. Seit Oktober 2010 erforscht Adele Goldberg außerdem als Einstein Visiting Fellow am Berliner Exzellenzcluster Languages of Emotion, wie Worte und Gefühle zusammenhängen.

»Warum berühren uns Metaphern emotional?«

Besteht ein Zusammenhang zwischen Emotionen und Sprache?

Metaphern von Geschmackseindrücken sind verbreitet – nicht nur in der Literatur, sondern auch in unserer Alltagssprache. Sätze wie „Sie ist wirklich süß“ oder „Die Trennung war bitter für ihn“ sind Beispiele dafür. In einer Studie mit der Neurowissenschaftlerin Francesca Citron haben wir die Gehirnaktivitäten von Studienteilnehmern gemessen, während sie solche metaphorischen Sätze und ihre nicht-bildlichen Entsprechungen zu lesen bekamen, in diesem Fall: „Sie ist wirklich nett“ und „Die Trennung war schlimm für ihn“. Wir konnten herausfinden, dass beim Lesen von Sätzen mit Geschmacksmetaphern dieselben Gehirnregionen aktiv waren wie beim Schmecken selbst. Außerdem stellten wir fest, dass die Amygdala und die umgebenden, für Emotionen zuständigen Hirnareale aktiver waren als beim Lesen nicht-bildlicher Sätze.

Welche Fragen versuchen Sie mit Ihrer Forschung über Sprache zu beantworten?

Die große Frage lautet für mich: Was ist Sprache eigentlich? Unsere Forschung liefert Hinweise darauf, dass Sprache ein Netzwerk aus Form-Funktions-Paarungen ist. Diese Paarungen bezeichne ich als Konstruktionen. Was damit gemeint ist, wird auf der Ebene der Wörter am deutlichsten: Ihre Funktion besteht in ihrer Bedeutung. Aber auch größere Einheiten wie Relativsätze oder Passivkonstruktionen sind solche Paarungen.

Eine andere wichtige Frage ist: Woher kommt unser enormes Wissen in unserer Muttersprache, die wir doch so mühelos erlernen? In unserem Labor konzentrieren wir uns darauf zu erforschen, wie wir lernen, was man nicht sagen kann. Auf Englisch ist es etwa möglich, zu einem Sturm „hohe Winde“, aber nicht „große Winde“ zu sagen. Kinder lernen, welche Formulierungen sie nutzen können und welche nicht, ohne dass man sie eigens korrigieren müsste. Dann wiederum nutzen wir Wörter gelegentlich auf sehr kreative Weise, wie wir sie vorher noch nicht gehört haben. Wie gelingt uns das? Woher wissen wir, wann eine Formulierung natürlich klingt, wann einfach nur fehlerhaft?

Warum ist Sprache Ihnen so wichtig?

Sprache ermöglicht uns Einblicke in eine spezifisch menschliche Form der Intelligenz. Sie erlaubt uns, eine ungeheure Menge an noch so winzigen Informationen zu bewahren, uns an Redewendungen, Liedtexte oder bestimmte Sätze zu erinnern, aber dieses Wissen auch zu verallgemeinern und Sätze zu formulieren, die wir noch nie zuvor gehört haben. Es ist ein Gebiet, auf dem wir erstaunliche Fähigkeiten entwickelt haben. Das ist bei keinem anderen Lebewesen so. Ich finde das wirklich faszinierend.

Video: Mirco Lomoth

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