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Matthias von Herrath

Aus seiner Zeit als Mediziner weiß Matthias von Herrath, was für verheerende Auswirkungen chronische Erkrankungen des Immunsystems haben können. Diese Erfahrungen haben den Immunologen zu seinem Forschungsfeld gebracht: Von Herrath versucht, die Histopathologie des humanen Typ 1 Diabetes besser zu verstehen und hofft, dass diese Ergebnisse neue therapeutische Ansätze weltweit katalysieren werden.

Er ist Professor und Direktor des Diabetesforschungszentrums am La Jolla Institut in den USA. Als Einstein Visiting Fellow wird er künftig auch an der BSRT forschen.


Mein Projekt

Studie zu Biomarkern bei Diabetes Typ 1 und 2

“Ein kompliziertes Zusammenspiel von Immun- und Stoffwechselfaktoren verursacht Diabetes Typ 1 und 2. Einige dieser Faktoren und deren genetische Grundlage sind zwar bekannt, doch ist der Beitrag der Umwelt zu beiden Krankheitsformen und beispielsweise der unerklärliche Anstieg des Diabetes in den letzten Jahrzehnten noch mit großen Fragezeichen behaftet. Deshalb müssen wir uns intensiv darum bemühen, bessere Biomarker zu ermitteln, die uns verraten, wie schnell und warum die Krankheit entsteht, ob die Ursachen und der Verlauf von Person zu Person differieren und ob Komplikationen wie kardiovaskuläre Erkrankungen genauer vorhersagbar sind.

Wir hoffen, dass uns derartige Entdeckungen einen großen Schritt voranbringen werden - hin zu einer stärker individualisierten Medizin und einer gründlicheren Erforschung des Diabetes. Beispielsweise heißt es seit Jahrzehnten, dass es sich nur bei Diabetes Typ 1 um eine Autoimmunerkrankung handelt, doch jetzt haben wir auch beim Diabetes Typ 2 Autoimmunreaktionen gegen den eigenen Körper festgestellt. Überdies scheint die Polarisierung bestimmter Zellen des Immunsystems wie Makrophagen nicht nur bei beiden Diabetesformen eine Rolle zu spielen, sondern auch bei Entzündungen, die mit Adipositas in Verbindung stehen. Ein tieferes Eindringen in die Zusammenhänge wird letztendlich den Weg für neue therapeutische Ansätze ebnen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Novo Nordisk durchgeführt.“ 

Nachgeforscht


Machen Sie bitte kurz die Augen zu, und denken Sie an die Arbeit an Ihrem Forschungsprojekt. Was sehen Sie als Erstes?
Musik und Farben.

 

Nennen Sie bitte spontan drei Dinge, die Sie mit der Person Albert Einstein verbinden!

Geige, Kreativität und ergebnisoffenes Denken. Er betrieb die Wissenschaft um der Erkenntnis willen und aus keinem anderen Grund. 


Was tun Sie morgens als Erstes, wenn Sie an Ihren Arbeitsplatz kommen, und warum?
Ich trinke einen Café Frappé, um richtig wach zu werden. Nach ein paar Stunden Arbeit setze ich mich dann aufs Fahrrad, um einen klaren Kopf zu bekommen.

 

Wie sähe Ihr Forschungsprojekt aus, wenn es ein Kunstobjekt wäre?
Es wäre ein Musikstück - harmonisch, bewegend und kraftvoll wie eine gute Rockballade oder ein Meisterwerk der klassischen Musik.

 

Welches Vorurteil über Wissenschaftler ist Ihrer Meinung nach wahr, und warum?
Dass bei der Grundlagenforschung zu sehr das Prestige und die Veröffentlichungen sowie deren Zitierhäufigkeit im Vordergrund stehen, während es doch auf Teamwork, Freiheit und Partnerschaften ankommt. Natürlich müssen wir die Öffentlichkeit mit unserer Arbeit vertraut machen, aber angesichts des Internets und verbesserter Online-Journale sollte die Zitierhäufigkeit der Veröffentlichungen keine so große Rolle spielen. Vielmehr sollte die Zukunft darüber entscheiden, wie erfolgreich ein bestimmtes Forschungsprojekt war, vor allem aber, welchen Erkenntniszuwachs es brachte und wie dieser der menschlichen Gesundheit zugute kam.

 

Mit wem würden Sie gern einmal einen Arbeitstag tauschen, und was würden Sie dann gerne tun?
Ich würde gern David Garrett oder Anne-Sophie Mutter einen Tag lang begleiten, wenn sie auf Tournee sind. Ich spiele gern Geige, und Musik regt mein Gehirn so an, dass ich dabei an liebgewonnene Orte denke. Ich mag auch Rockmusik (deshalb gibt es in Deutschland auch eine Diabetesband, die sich “Sugardaddies“ nennt) und würde gern mal mit Tina Turner oder Carlos Santana musizieren. Dies sind musikalische Wunschträume, und ich würde mir überhaupt wünschen, mehr Zeit für Musik zu haben und besser spielen zu können.

 

(März 2015)

Foto: privat

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