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Albert fragt... 2/8

Wann werden wir das menschliche Gehirn am Computer nachbauen können?

Dafür müssen wir zunächst einmal die erste Hürde überwinden. Sie besteht darin, eine einzelne Nervenzelle am Rechner nachzubauen. Einzelne Eigenschaften einer einzelnen Zelle können wir bereits simulieren, dafür reichen die Datenmengen aus, die wir in verschiedenen Computermodellen zusammengetragen haben. Natürlich liegt dann die Vermutung nahe, dass man nur genügend Rechenleistung braucht, um anstelle von einer einzelnen Zelle die Milliarden Neuronen des menschlichen Gehirns zu simulieren. Doch so einfach ist es nicht. Schon wenn man das Verhalten von 1.000 Zellen am Rechner nachbauen will, gelingt das nur schlecht. Warum? Es gibt viele verschiedene Typen von Nervenzellen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Zudem ändern sich die chemischen Umstände im Gehirn ständig, was wiederum einen Einfluss auf das Verhalten der Nervenzellen hat. Und sobald Sie für eine Hirnregion Erkenntnisse gewonnen haben und sich einer anderen Region zuwenden, stellen Sie fest: Dort läuft alles komplett anders. Sie müssen wieder ganz von vorn anfangen. Ich muss also nach 40 Jahren Forschung feststellen, dass wir erst einen winzigen Schritt gegangen sind auf dem Weg zur Simulation des gesamten Gehirns. Ob es überhaupt jemals möglich wird? Ich weiß es nicht. Aber wenn falls ja, wird es sicher noch Generationen dauern.

Aufgezeichnet von Ragnar Vogt.


Zur Person

Roger D. Traub ist Visiting Fellow am NeuroCure Exzellenzcluster an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und als Wissenschaftler bei IBM im Watson Research Center angestellt. Traub ist Experte für die Computersimulation von Schaltkreisen von Nervenzellen. Von 2010 bis 2014 war er Einstein Visiting Fellow.

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