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Noch Fragen? Die Hirn-Retter

Noch Fragen? - Die Hirn-Retter

Frau Spies, wie ausgeprägt können Kollateralschäden im Gehirn nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation sein? Sie sind vergleichbar mit einer milden Alzheimer-Demenz, selbst nach einem Jahr noch. Auf der Intensivstation muss der Körper mit vielen Herausforderungen fertig werden. Der Stoffwechsel verändert sich, es kommt zu Entzündungen und Kreislaufstörungen, mitunter ist nicht genug Sauerstoff im Blut. Medikamente greifen zusätzlich ein, Organe können versagen, Nervenzellen sterben ab. 30 bis 80 Prozent der Patienten entwickeln einen sogenannten Delir. Sie sind desorientiert, ihre Wahrnehmung spielt verrückt, das Bewusstsein ist getrübt. Je länger der Zustand unbehandelt bleibt, desto größer ist das Risiko für langfristige Folgen. Aber auch wer in der Klinik nicht verwirrt war, kann diese Schäden davontragen.

Wie wollen Sie das verhindern? 
Wir wollen möglichst viele Nervenzellen retten. In unserem Projekt überprüft der Nachwuchswissenschaftler Julius Emmrich die These, ob die Müllbeseitigung des Gehirns schiefläuft. Während einer schweren Entzündung, wie sie auf der Intensivstation vorkommen kann, senden die Neuronen möglicherweise Signale aus, die Immunzellen anlocken. Von diesen werden sie dann bei lebendigem Leib aufgefressen. Was dabei im Detail passiert und wie die Nervenzellen ihrer Entsorgung entkommen können, untersucht Emmrich an Mäusen.

Eine wichtige Frage, aber ist das für die Mäuse nicht sehr belastend? 
Mäuse sind Fluchttiere, sie zeigen Schmerz normalerweise nicht. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum zum Schutz von Versuchstieren haben wir daher einen Parcours entwickelt, der Verhaltensänderungen der Mäuse vollautomatisch registriert. Wir machen damit ihr Leid objektiv messbar. Das nutzt dem Tierschutz, denn wir können Belastungskataloge und Abbruchkriterien für Versuche definieren und bestehende überprüfen.

Interview: Jana Schlüter.

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