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Impulse für die Berliner Krebsforschung

Stiftung Charité und Einstein Stiftung Berlin unterstützen die Lebenswissenschaften mit der Auszeichnung von weiteren Einstein BIH Visiting Fellows   

Die Stiftung Charité hat in der Herbstsitzung ihres Wissenschaftlichen Beirats die Förderung von sechs Einstein BIH Visiting Fellows beschlossen. Zu den Geförderten gehören zwei weltweit führende Krebsspezialisten: Chris Sander aus den USA erforscht in Berlin zukünftig, wie die Wirksamkeit von Medikamenten bei der Behandlung unterschiedlicher Tumore mit Hilfe von computergestützten Methoden verbessert werden kann. Rogier Versteeg aus den Niederlanden will in Berlin eine neue Kombinationstherapie entwickeln, mit der das Neuroblastom, eine besonders tückische Krebserkrankung, die bereits im Kindheitsalter auftreten kann, umfassender als bisher behandelt werden kann. 


Professor Dr. Chris Sander
ist Professor für Zellbiologie an der Harvard Medical School (USA), weltweit führend im Bereich der computergestützten Krebsforschung und Begründer der Perturbationsbiologie – einem Gebiet, das die Reaktionen von Zellen auf bestimmte Störungen mithilfe von Computersimulationen vorhersagen möchte. Seine neue Arbeitsgruppe in Berlin wird sich in den nächsten Jahren die Möglichkeiten dieses Gebiets zunutze machen, um die Wirksamkeit von Medikamenten bei der Behandlung unterschiedlicher Tumore abschätzen und individuell verbessern zu können. Hierfür sollen unter anderem Organoide aus Gewebeproben eines Krebspatienten erzeugt und deren Behandlungsmöglichkeiten bis auf die Ebene von Einzelzellen analysiert und simuliert werden. Gastgeber ist der Bioinformatiker Professor Dr. Nils Blüthgen vom Institut für Pathologie der Charité. Seitens des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin beteiligt sich der Zellbiologe Professor Dr. Markus Landthaler.

Auch die Arbeitsgruppe des neuen Einstein BIH Visiting Fellows Professor Dr. Rogier Versteeg wird sich der Krebsforschung widmen. Der niederländische Professor für Genetik leitet an der Universität Amsterdam die Klinik für Onkogenomik und ist Preisträger des Europäischen Forschungsrates (ERC Advanced Grant). Zusammen mit Einstein-Professorin Dr. Angelika Eggert, Direktorin der Charité-Klinik für Kinderonkologie und -hämatologie, möchte er einen wichtigen Schritt auf dem Gebiet der Neuroblastomforschung machen. Beim Neuroblastom handelt es sich um eine Krebserkrankung, die bereits im Kindesalter auftreten kann und besonders tückisch ist, weil einige der Tumorzellen in einem unreifen Stadium verharren können, in dem sie auf die üblichen Chemotherapien nicht ansprechen und – unerkannt – nach einiger Zeit zu schwerwiegenden Rückfällen führen. Die Arbeitsgruppe um Rogier Versteeg und Angelika Eggert verfolgt das Ziel, eine neue Kombinationstherapie zu entwickeln, mit der das Neuroblastom umfassender als bisher behandelt werden kann. Die Forscher greifen dabei ebenfalls auf moderne medizinische Technologien wie die Hochdurchsatzsequenzierung oder die Entwicklung von 3D-Organoiden zurück.

Die Stiftung Charité fördert beide Fellows mit je insgesamt 450.000 Euro über drei Jahre. Darüber hinaus hat sie eine zweijährige Weiterfinanzierung für vier bereits geförderte Einstein BIH Visiting Fellows beschlossen:

Professor Dr. David Gutmann (Washington University School of Medicine in St. Louis, USA) mit seiner Arbeitsgruppe zur Rolle von Mikrogliazellen bei Erkrankungen des Gehirns (Gastgeber: Prof. Dr. Helmut Kettenmann, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin),
Nobelpreisträger Professor Dr. Brian Kobilka (Stanford University, USA) mit seiner Arbeitsgruppe zu G Protein-gekoppelten Rezeptoren (Gastgeber: Prof. Dr. Axel Radlach Pries und Prof. Dr. Peter Hildebrand, Charité),
Professor Dr. Stefan G. Tullius (Brigham and Women‘s Hospital & Harvard Medical School, USA) mit seiner Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Transplantationsprogramms für ganze Gewebe wie insbesondere des Uterus‘ oder der Hand (Gastgeber: Professor Dr. Johann Pratschke, Charité) und
Professor Dr. Mario Nicodemi (Universität Neapel, Italien) mit seiner Arbeitsgruppe zu Genomvarianten und ihren Einfluss auf die Chromosomenarchitektur (Gastgeberin: Professorin Dr. Ana Pombo, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin).

Das Programm Einstein BIH Visiting Fellow ermöglicht führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern renommierter ausländischer Universitäten in Berlin Arbeitsgruppen zu aktuellen lebenswissenschaftlichen Forschungsthemen ins Leben zu rufen und als Gastwissenschaftler über drei Jahre regelmäßig in Berlin zu forschen. Sie arbeiten dabei mit Gastgeberinnen und Gastgebern des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung, der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin zusammen. Die Stiftung Charité führt das Programm in enger Kooperation mit der Einstein Stiftung Berlin durch. Insgesamt hat die Stiftung Charité bereits 21 Einstein BIH Visiting Fellows mit ihren Arbeitsgruppen in Berlin finanziert, unter ihnen auch drei Nobelpreisträger.