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Einstein fördert neue Fellows und Projekte mit 4,7 Millionen Euro

Die Einstein Stiftung Berlin fördert ab Januar 2018 neue Fellows und Forschungsvorhaben an den Berliner Universitäten mit insgesamt rund 4,7 Millionen Euro. Zu den Geförderten zählen sieben ausländische Spitzenforscher, die als Einstein Visiting Fellows eine Forschungsgruppe in Berlin aufbauen sowie zwei talentierte Nachwuchswissenschaftler, die als Einstein Junior Fellow und Einstein International Postdoctoral Fellow unterstützt werden. Zudem hat die Stiftung zwei zusätzliche Einstein-Forschungsvorhaben in die Förderung aufgenommen und die Finanzierung von fünf bereits geförderten Einstein Visiting Fellows um zwei Jahre verlängert. Die Themenbereiche der Projekte reichen von der Elementarteilchenphysik über die Molekulargenetik bis zur Rolle von Kritik in den Literatur- und Kulturwissenschaften.

 

Im Bereich der Personenförderung unterstützt die Einstein Stiftung zukünftig folgende Wissenschaftler:

 

Einstein Visiting Fellows

 

Robert Burnap, Oklahoma State University/Freie Universität Berlin

Robert Burnap ist aufgrund seiner Forschungen zur Sauerstoffbildung in der oxygenen Photosynthese von Pflanzen, Algen und Cyanobakterien international bekannt geworden. In Berlin untersucht der Mikrobiologe und Molekulargenetiker im biophysikalischen Sonderforschungsbereich „Proteinfunktion durch Protonierungsdynamik“, wie vor rund drei Milliarden Jahren die lichtgetriebene Bildung von Manganoxiden die Entstehung der oxygenen Photosynthese ermöglich haben könnte. Die Erkenntnisse unterstützen unter anderem die CO2-neutrale Gewinnung nicht-fossiler Brennstoffe durch künstliche Photosynthese.

 

Michel Chaouli, Indiana University/Freie Universität Berlin

Michel Chaouli setzt sich im „Philologischen Laboratorium“ grundlegend mit der Rolle von Kritik in den Literatur- und Kulturwissenschaften auseinander. Ziel des renommierten Germanisten ist es alternative Herangehensweisen jenseits der Kritik zu testen und dadurch neue Möglichkeiten für die Beschreibung der Erfahrung von Kunst zu schaffen. In Berlin wird er an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien forschen.

 

Eduard Feireisl, Tschechische Akademie der Wissenschaften/Technische Universität Berlin
Der Mathematiker gilt als einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der mathematischen Strömungsmechanik. Als erster tschechischer Einstein Visiting Fellow untersucht er zukünftig am Sonderforschungsbereich „Kontrolle selbstorganisierender nichtlinearer Systeme“ die physikalischen Grundlagen komplexer Flüssigkeiten mit Hilfe von mathematischen Theorien. Komplexe Flüssigkeiten spielen bei zahlreichen industriellen (z. B. LCDs) oder medizinischen Verfahren (z. B. Arzneimittel) eine bedeutende Rolle. Die Damp Stiftung kofinanziert das Fellowship.

 

Dieter Jaeger, Emory University/Humboldt-Universität zu Berlin

Dieter Jaegers neurowissenschaftliche Forschung konzentriert sich auf das Verständnis der Informationsverarbeitung bei Basalganglien und des Kleinhirns, das heißt derjenigen Kernbereiche des Gehirns, die unterhalb der Großhirnrinde liegen. Am Exzellenzcluster Neurocure untersucht er insbesondere den Informationsfluss von den Basalganglien in die Hirnrinde über den Thalamus. Forschungen in diesem Bereich tragen zu einem besseren Verständnis zu motorischen Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson bei. Das Fellowship wird von der Damp Stiftung finanziert.

 

John Henry Maddocks, École Polytechnique Fédérale de Lausanne/Freie Universität Berlin

Der Mathematiker John Henry Maddocks gilt als herausragender Experte bei der Multiskalen-Modellierung von DNA. Seine Methoden erlauben es computersimulierte Experimente an DNA-Sequenzen durchzuführen, um reproduzierbare, quantitative Informationen hinsichtlich der physischen Beschaffenheit und des Verhaltens von DNA zu erhalten. Maddocks verstärkt die

Berlin Mathematical School.

 

Peter Schröder, California Institute of Technology/Technische Universität Berlin
Peter Schröder gilt im Bereich der Computergrafik als einer der weltweit bekanntesten Spezialisten. Der Informatiker forscht an der Schnittstelle von mathematischen, physikalischen und geometrischen Theorien und deren praktischen Anwendungen im Bereich der Computergrafik. In Berlin wird der Humboldt-Forschungspreisträger den Sonderforschungsbereich „Diskretisierung in Geometrie und Dynamik“ verstärken.

 

Edriss Titi, Texas A&M University/Freie Universität Berlin

Edriss Titi ist ein international renommierter Angewandter Mathematiker, der sich unter anderem auf die mathematische Untersuchung von Problemen im Bereich von Fluiddynamik, Turbulenz und geophysikalischen Strömungen spezialisiert hat. Am Sonderforschungsbereich „Skalenkaskaden in komplexen Systemen“ konzentriert sich Titi auf theoretische und praktische Fortschritte im Verständnis und der Simulation der Atmosphäre und der Ozeane.

 

Zudem wurden die Einstein Visiting Fellowships von Richard Samuels (Graduate School of East Asian Studies), Jesse Prinz (Berlin School of Mind and Brain), Stefan Keppler-Tasaki (Friedrich Schlegel Graduiertenschule), Bernd Sturmfels und Rahul Pandharipande (beide Berlin Mathematical School) um jeweils zwei Jahre verlängert.

 

Einstein Junior Fellow

 

Christian Bogner, Humboldt-Universität zu Berlin

Der theoretische Physiker wird zukünftig als Einstein Junior Fellow an der Humboldt-Universität zu Berlin gefördert. Bogner forscht im Bereich der Elementarteilchenphysik an der Schnittstelle von Mathematik und Physik. Sein besonderes Interesse gilt neuen Funktionenklassen, die in der

Berechnung von Feynman-Integralen eine Rolle spielen.

 

Einstein International Postdoctoral Fellow

 

Amr Aswad, Freie Universität Berlin

Der Virologe wechselt von der Universität Oxford als Einstein International Postdoctoral Fellow an die Freie Universität Berlin. Er verstärkt dort mit seiner Forschung rund um Herpesviren die Forschungsgruppe des Lichtenberg-Professors für Resistenz gegen Virusinfektionen und Vakzine, Benedikt Kaufer.

 

Im Bereich der Projektförderung finanziert die Einstein Stiftung folgende Einstein-Forschungsvorhaben:

 

„Dynamics of electrically coupled neuronal networks“

Elektrische Synapsen und deren funktionelle Bedeutung in neuronalen Netzwerken sind derzeit noch wenig analysiert. Eine Forschergruppe unter der Leitung von Michael Brecht (HU Berlin) will hier Abhilfe schaffen. Die Wissenschaftler wollen unter anderem erforschen wie leistungsfähig die elektrische synaptische Kopplung ist und wie sich dies auf der Netzwerkebene sowie auf die Informationsverarbeitung und letztendlich das Verhalten auswirkt.

 

„Perzeptionen Ägyptens. Die Zeichnungen der preußischen Ägypten-Expedition (1842-1845)“

Die von Richard Lepsius geleitete Expedition wirkte nachhaltig in die Kultur- und Wissenschaftslandschaft Berlins hinein. Zu den Erträgen der Expedition gehörten neben Originalobjekten, Gipsabgüsse, und Abklatschen von Inschriften auch Zeichnungen, die von den fünf Zeichnern und zwei Architekten der Expedition angefertigt wurden. Das gemeinsame Einstein-Forschungsvorhaben der FU Berlin, der TU Berlin, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und des Ägyptischen Museums hat die digitale Erschließung und interdisziplinäre Auswertung dieses Zeichnungsbestandes zum Ziel. Das Vorhaben wird geleitet von Tonio Sebastian Richter (FU Berlin) und Bénédicte Savoy (TU Berlin).

 

Die Einstein Stiftung unterstützt derzeit insgesamt 30 Einstein Visiting Fellows, 16 Einstein-Professoren, 2 Einstein Junior Fellows, 3 Einstein International Postdoctoral Fellows, 1 Einstein Research Fellow, 8 Einstein-Forschungsvorhaben, 5 Einstein-Zirkel, 3 Doktorandenprogramme und 6 Einstein-Zentren. Zweck der Stiftung ist es, Wissenschaft und Forschung in Berlin auf internationalem Spitzenniveau zu fördern und das Land dauerhaft als attraktiven Wissenschaftsstandort zu etablieren.



Bilder: Michael Brecht: DFG/David Ausserhofer, Christian Bogner: privat, Michel Chaouli: 2013 The Trustees of Indiana University, Eduard Feireisl: MFO, Peter Schröder: Wikimedia, Edriss Titi: Weizmann Institute of Science, Bénédicte Savoy: TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt