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Marcus Mall stärkt Berliner Lungenforschung

Prof. Dr. Marcus Mall tritt die Professur für Pädiatrische Pneumologie und Immunologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin an. Die Berufung von Prof. Mall als Einstein-Professor und BIH-Professor wurde durch die Unterstützung der Einstein Stiftung und in Zusammenarbeit mit dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) ermöglicht. Dies unterstreicht die besondere Bedeutung dieser Berufung für die translationale Lungenforschung in Berlin. Prof. Mall übernimmt die Leitung der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie mit Intensivmedizin sowie die pädiatrische Notaufnahme der Charité. 

„Bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit schweren chronischen Lungenerkrankungen spielt die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie mit Intensivmedizin heute schon deutschlandweit eine bedeutende Rolle. Mit Marcus Mall haben wir den idealen Direktor gewinnen können, um die Pädiatrische Pneumologie an der Charité weiterzuentwickeln und ihr sowohl in der Patientenversorgung als auch in der Forschung internationales Gewicht zu geben“, sagt Prof. Dr. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité. „Sowohl die Aktivitäten in Bezug auf Mukoviszidose als auch auf andere schwere Lungenerkrankungen wird Marcus Mall mit intensiven Forschungsvorhaben begleiten und somit die translationale Lungenforschung mit neuen Krankheitsmodellen, Patientenkohorten und innovativen klinischen Studien entscheidend verstärken“, ergänzt Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité.

Prof. Mall gehört international zu den renommiertesten Experten für Pädiatrische Pneumologie. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Erforschung der Krankheitsentstehung und Entwicklung neuer Therapien der Mukoviszidose (auch bekannt als zystische Fibrose), einer Erbkrankheit, die zu einer schweren chronischen Lungenerkrankung führt. „Ich freue mich, eine der herausragenden Positionen in Deutschland anzutreten, um meine Erfahrungen in der translationalen Lungenforschung in einem exzellenten Umfeld einzusetzen. Dies wird uns erlauben, Forschungsergebnisse aus dem Labor zeitnah in die Klinik zu bringen, um die Diagnostik und Therapie der Mukoviszidose und anderer schwerer Lungenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu verbessern“, sagt Prof. Mall.

Die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie mit Intensivmedizin verfügt über ein großes altersübergreifendes Mukoviszidose-Zentrum, das eine zentrale Rolle in der überregionalen Versorgung der Mukoviszidose einnimmt. In diesem Zentrum werden mehr als 300 pädiatrische und erwachsene Patientinnen und Patienten behandelt. Bei der Mukoviszidose ist es kürzlich gelungen, für eine Untergruppe von Patientinnen und Patienten die ersten kausalen Therapien zu entwickeln – ein Meilenstein auf dem Weg zur personalisierten Medizin chronischer Lungenerkrankungen. Prof. Mall möchte das Mukoviszidose-Zentrum der Charité zu einem international führenden Zentrum für personalisierte Medizin ausbauen und die bei der Mukoviszidose erzielten Erfolge mittelfristig auf andere chronische Lungenerkrankungen übertragen. Da in fortgeschrittenen Krankheitsstadien häufig Lungentransplantationen notwendig werden, will Prof. Mall auch das Lungentransplantationsprogramm ausbauen. 

Aufbau eines Zentrums für seltene Lungenerkrankungen
Auch bei anderen seltenen Lungenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen will Prof. Mall die Kompetenz der Klinik stärken und weiterentwickeln. So ist der Aufbau eines Zentrums für seltene Lungenerkrankungen geplant, denn neuere genetische und epidemiologische Untersuchungen legen nahe, dass viele seltene, oft erblich bedingte Lungenerkrankungen zusammengenommen deutlich häufiger vorkommen als bisher angenommen. „Strukturierte Behandlungskonzepte und evidenzbasierte Therapien fehlen bei vielen dieser seltenen Lungenerkrankungen bislang völlig. Diese Lücke wollen wir schließen“, sagt Prof. Mall.

Intensive Forschungsvorhaben geplant 
Innovative, im Labor entwickelte therapeutische Strategien sollen in frühen klinischen Studien überprüft und so die individualisierte Therapie von Patientinnen und Patienten vorangetrieben werden. Außerdem ist es ein Ziel von Prof. Mall neue nicht-invasive Verfahren für die Diagnostik von Lungenerkrankungen aufzubauen. „Letztere fehlen vor allem für die Diagnostik bei Kleinkindern, da an ihnen noch keine Lungenfunktionsuntersuchungen möglich und andere gängige diagnostische Verfahren oft mit Strahlenbelastung verbunden sind“, so Prof. Mall.

Die für die zahlreichen Vorhaben nötige Kompetenz und internationale Vernetzung hat Marcus Mall seit Abschluss seines Medizinstudiums im Jahr 1997 auf vielfältige Weise gesammelt. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA, am Cystic Fibrosis/Pulmonary Research and Treatment Center der University of North Carolina at Chapel Hill wo er zuletzt als Assisant Professor tätig war, kam Mall 2005 als Gruppenleiter einer EU-geförderten Nachwuchsgruppe an das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Heidelberg. 2009 wurde er Leiter der Sektion für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie und 2011 Ärztlicher Direktor der Abteilung Translationale Pneumologie an der Universitätsklinik Heidelberg und Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Lungenforschung. Mall wurde mit zahlreichen Forschungspreisen ausgezeichnet und hatte auch die Heisenberg-Professur für Translationale Pädiatrische Pneumologie der Deutschen Forschungsgemeinschaft inne.

Auch in der Lehre will Prof. Mall an der Charité neue Akzente setzen. So sind verstärkt interdisziplinäre Seminare in Translations- und Systemmedizin bei Lungenerkrankungen geplant. Die besten Studierenden sollen die Möglichkeit zur Durchführung einer strukturierten experimentellen Doktorarbeit in einer Arbeitsgruppe der Klinik erhalten. 

Foto: Charité/Wiebke Peitz
(07.02.2018)