Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Zur Person

Nicolas Zimmer ist Vorstandsvorsitzender der TSB Technologiestiftung Berlin. Die TSB fördert die Wissenschaft und unterstützt die Wirtschaft im Bereich Technologieentwicklung am Standort Berlin. Bis Ende 2012 war Nicolas Zimmer Staatssekretär für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

Berlin ist Weltspitze in der Biotechnologie

Nicolas Zimmer, der Vorstandsvorsitzende der Technologiestiftung Berlin, über Medizintechnik und Biotechnologie als Innovationsmotoren der Gesundheitswirtschaft in Berlin

Gesundheit ist wichtig und wird auch ökonomisch immer bedeutsamer. Die Hauptstadtregion ist in besonderem Maße von der Gesundheitswirtschaft geprägt. Mehr als 274.000 Beschäftigte arbeiten in über 5.700 Unternehmen und 132 Kliniken. Die Gesundheitsbranche ist damit Motor und Garant für Wachstum und Beschäftigung. Deshalb schenken wir ihr als einem von fünf Clustern in der Innovations- und Wirtschaftspolitik des Landes besondere Aufmerksamkeit. Die TSB Technologiestiftung Berlin und die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH (vormals TSB Innovationsagentur) konzentrieren sich in der Biotechnologie und Medizintechnik seit vielen Jahren auf die Stärkung des innovativen Kerns der Branche. Dieser hat in der hervorragenden Forschungs- und Kliniklandschaft ein ausgezeichnetes Fundament für starkes und nachhaltiges Wachstum. Die Einstein Stiftung treibt mit ihren Förderungen die Forschungsaktivitäten institutionenübergreifend voran und erhöht damit deren internationale Sichtbarkeit. Allein im Programm „Einstein-Forschungsvorhaben“  sind derzeit sieben herausragende Projekte aus dem Bereich Lebenswissenschaften vertreten.

In der Biotechnologie gilt Berlin-Brandenburg seit gut zehn Jahren als führende deutsche Region und gehört auch weltweit zur Spitze. In der Medizintechnik zeichnet sie sich durch weit überdurchschnittliche Wachstumsraten aus. Zusätzliche Impulse für wichtige Innovationen kommen inzwischen verstärkt aus dem Zusammenspiel von Gesundheitsforschung und der äußerst lebendigen IT Branche. Das ist besonders spannend, weil damit zunehmend auch in den Bereichen der Prävention, Pflege und Reha neue technologische Lösungen erprobt und etabliert werden.

Von der Forschung in die Anwendung

Entscheidend für einen nachhaltigen Innovationsprozess ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizinern, Biologen, Chemikern, Bioinformatikern, Pharmakologen, Ingenieuren und Physikern. In Berlin-Brandenburg sind die Rahmenbedingungen außergewöhnlich gut. Das breite Spektrum an wissenschaftlichen Einrichtungen sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten und klinischen Forschung bietet beste Voraussetzungen für Technologietransfer und Translation. Denn erst wenn Forschungsergebnisse auch in die klinische Anwendung übertragen werden, kann die Wirtschaft und letztlich der Patient von ihnen profitieren.

In der Hauptstadtregion sind viele Institutionen aufgebaut worden, die das unterstützen. Beispiele für solche interdisziplinären Einrichtungen sind das jüngst gegründete Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG), das Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien (BCRT), das Bernstein Zentrum Berlin (BCCN), das Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) oder das Exzellenzcluster NeuroCure. Zudem wird beispielsweise an der Berlin Brandenburg School of Regenerative Therapies (BSRT) der wissenschaftliche Nachwuchs für Forschung und Entwicklung auf Spitzenniveau ausgebildet. Mithilfe des Förderprogramms „Einstein Visiting Fellow“ der Einstein Stiftung konnte die BSRT den Biotechnologen David Mooney von der Harvard University für eine Zusammenarbeit in Berlin gewinnen. 

Enge Kooperationen gibt es auch zwischen Wissenschaft und Klinik mit Unternehmen. Ein gefragter Industriepartner ist hier natürlich die Charité. Bei der Forschung und Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren für die Medizin kooperiert sie unter anderem mit Partnern wie Sanofi, Philips oder SAP. Aber auch die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die häufig als Ausgründungen aus wissenschaftlichen Einrichtungen entstehen, arbeiten eng mit Forschungseinrichtungen vor Ort zusammen, sei es in Form von Auftragsforschung für Unternehmen oder bei der Umsetzung von Forschungserkenntnissen in innovative Produkte. Ideale Orte für die unmittelbare Zusammenarbeit sind die vielen Technologieparks in Berlin und Brandenburg. Mit Berlin-Adlershof und dem Campus Berlin-Buch befinden sich in der Hauptstadt gleich zwei der größten und modernsten Wissenschafts- und Technologieparks Deutschlands.

Cross Innovation

Auf der Suche nach immer präziseren und gezielteren Verfahren und Produkten nutzen die Akteure in der Hauptstadtregion ihr Know-how auch über die Grenzen der einzelnen Branchen hinweg. So an der Schnittstelle zwischen Life Science und IT. Hier gilt die Region als Vorreiter und Wegbereiter mit wichtigen Referenzprojekten. Ein Beispiel dafür ist das Projekt zur „digitalen Visite“, das an der Berliner Charité gemeinsam mit SAP und der Telekom entwickelt wird. Aber auch an der Schnittstelle zwischen Gesundheitswirtschaft und der Optik, wo es eine Vielzahl von neuen Anwendungsmöglichkeiten gibt: minimal-invasive Chirurgie mittels Laser, optische Sensoren für die Diagnostik, laserinduzierte Thermotherapien zur Behandlung von Tumoren, Mikrokameras für die Endoskopie und vieles mehr.

Ein herausragendes Beispiel für die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das Einstein-Forschungsvorhaben „HautScan“. In dem Kooperationsprojekte arbeiten Mediziner von der Charité-Universitätsmedizin Berlin und der Technischen Universität Berlin gemeinsam an Instrumenten, die es Ärzten erlauben, anhand von Schweiß und Talg auf den Gesundheitszustand eines Patienten zu schließen.

Das Management der fünf Cluster der Gemeinsamen Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg erfolgt seit September 2013 durch die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, die aus der Fusion der TSB Innovationsagentur Berlin GmbH und der Berlin Partner GmbH hervorgegangen ist. Dies ist ein großer Vorteil, weil es uns erlaubt, die Potenziale durch Einbeziehung und Koordination vieler engagierter Akteure noch gezielter zu fördern. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass die Gesundheitswirtschaft hier in der Hauptstadtregion ihre führende Stellung in Deutschland weiter ausbauen kann.

 

Text: Nicolas Zimmer // Foto: TSB/Viviane Wild