Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Nachgeforscht bei Hans Schreiber

Projektbeschreibung

“Die Ursache von Krebs liegt in genetischen Mutationen, die bösartige Zellen benutzen, um den Kontrollen des gesunden Körpers zu entkommen.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in Berlin haben wir herausgefunden, dass die Infusion krebsspezifischer T-Zellen sehr weit fortgeschrittene, bösartige Tumoren in Mäusen heilen kann. Die direkte Beobachtung des Zerstörungsvorganges mithilfe des sogenannten „in vivo optical imaging“ zeigt die Zerstörung der Tumorvaskulatur durch die T-Zellen als Mechanismus. Diese T-Zellen erkennen krebs-spezifische Mutationen, welche die Ursache von Krebs sind. Wir sind zur Zeit dabei, unsere Erkenntnisse auf die Therapie von Krebs bei Menschen zu übertragen.“ 


Machen Sie bitte kurz die Augen zu, und denken Sie an die Arbeit an Ihrem Forschungsprojekt. Was sehen Sie als Erstes?

Dass wir als internationales Konsortium wichtige Fortschritte zur Krebstherapie machen werden.

Über welche Interviewfrage würden Sie sich freuen?
Warum ist unser Forschungsansatz so vielversprechend, endlich effektive spezifische Krebstherapie zu etablieren?

Nennen Sie bitte spontan drei Dinge, die Sie mit der Person Albert Einstein verbinden!
Außer seiner unglaublichen Originalität:

  • Einsteins Brief in dem er schreibt, dass er sieht, “dass  von Schuldgefühl und Reue bei den Deutschen keine Spur zu finden ist.“
  • Dass sich Einstein weigerte, einen Aufruf an Präsident Roosevelt zu unterschreiben, den Morgenthau-Plan zu revidieren, der schon vom Präsidenten unterschrieben war.
  • Dass Einstein Max Borns Rückkehr nach Deutschland als Rückkehr “in das Land der Massenmörder unserer Stammesgenossen“ kommentierte.

Was tun Sie morgens als Erstes, wenn Sie an Ihren Arbeitsplatz kommen, und warum?
Was ich mir als erstes am Tag davor vorgenommen habe, sonst verzettelt man sich leicht.

Wie sähe Ihr Forschungsprojekt aus, wenn es ein Kunstobjekt wäre?
Den Mörder Krebs in unserem Körper aufzuspüren und ihn komplett zu entfernen.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Wunsch frei, mit dessen Erfüllung das Gelingen Ihres Forschungsprojektes sichergestellt wäre. Wie würde dieser lauten?
Kriterien zu erkunden, die vorhersagen, welcher für jede Krebsmutation spezifischer T-Zell-Rezeptor (TCR) krebsheilend ist und welcher nicht.

Gibt es einen konkreten Ort in Berlin, den Sie mit Ihrer Forschungsarbeit verbinden?
Das Max Delbrück Center (MDC) for Molecular Medicine und den Charité-Campus Buch und das dort vorhandene, unglaublich hochkarätige Wissenschaftlerpotential.

Bitte geben Sie Ihrem Forschungsprojekt einen passenden Fantasienamen!
“Dem Mörder in unserem Körper auf der Spur.“

Wie lautet Ihr persönliches Berliner Lieblingswort, und was bedeutet es? 

Kaffe (auf der ersten Silbe betont)

Wer oder was inspiriert Sie bei Ihrer Arbeit?

Die Logik: Krebs ist durch Mutationen hervorgerufen und wir können diese Mutationen als hoch-selektive Zielscheibe für Killer-T-Zellen benutzen.

In welchem Berliner Bezirk fühlen Sie sich wohl, und warum?
Berlin-Buch: so nahe an der Natur und die schönsten Nachtigallen in der Nacht auf dem Campus Buch, die ich je in meinem Leben gehört habe. Gut, dass Buch Flüchtlinge aufnimmt. Ich war selbst mal einer.

Welche Eigenschaften unterscheiden einen Forscher Ihrer Meinung nach von anderen Menschen? 
Eine gewisse Besessenheit, das Ungewisse und Probleme zu lösen.

Welches Vorurteil über Wissenschaftler ist Ihrer Meinung nach wahr, und warum? 
Leider fehlt oft die Rücksicht, das Menschliche und Ethische mindestens gleichranging zu behandeln.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Arbeitstag tauschen, und was würden Sie dann gerne tun?
Mit niemandem!


(März 2015)


Foto: Pablo Castagnola