Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Report Einstein-Soiree

Wissenschaft auf dem Balkon

Insgesamt vier neue Koryphäen für vier Berliner Institutionen: Das ist die Bilanz des Programms „Einstein-Professur“ im ersten Halbjahr 2013. Am 16. Juli veranstaltete die Einstein Stiftung eine sommerliche Soiree mit den neuen Lehrstuhlinhabern.

Bei einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Eva-Maria Götz (Deutschlandradio) konnte Berlin seine neuen Einstein-Professorinnen und -Professoren kennen lernen. Außerdem erhielten die neuen Geförderten ihre Einstein-Urkunden. Im Anschluss an den Festakt hatten die Wissenschaftler die Gelegenheit Kontakte zu knüpfen – bei Bossa-Klängen der Gruppe „Kitchen Grooves“ auf der Dachterrasse der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.


Angelika Eggert
ist die neue Einstein-Professorin der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Die Spezialistin für Krebs bei Kindern erforscht das Neuroblastom, einen Tumor mit zwei ganz verschiedenen Gesichtern. An seiner schweren Verlaufsform sterben fast alle betroffenen Kinder, die leichte Form bildet sich dagegen fast immer spontan zurück. „Wir versuchen herauszufinden, was die bösen Tumore so böse macht und die guten so gut“, erklärte Angelika Eggert auf dem Podium. „Auf dieser Basis möchten wir eine Therapie für die Kinder mit der schweren Verlaufsform entwickeln.“ „Wir“ – dazu soll in Zukunft zum Beispiel das Berliner Institut für Gesundheitsforschung gehören.


Die Biochemikerin Ann Ehrenhofer-Murray hat gerade den Lehrstuhl für Molekulare Zellbiologie an der Humboldt-Universität zu Berlin übernommen. Sie erforscht, wie Gene in Bäcker- und Spalthefe reguliert werden. Damit leistet sie einen Beitrag auf dem aufstrebenden Gebiet der Epigenetik. Ohne die Förderung durch die Einstein Stiftung wäre die Spitzenwissenschaftlerin nicht nach Berlin gekommen. „Die Stiftung finanziert meine aufwändige Laborausstattung. Ohne teure Geräte wäre eine Forschung, wie ich sie betreibe, überhaupt nicht möglich“, sagte die Einstein-Professorin.


Der Spaß an Computern brachte Michael Joswig als Jugendlichen zur Mathematik. Heute ist er Einstein Professor für Diskrete Mathematik und Geometrie an der Technischen Universität Berlin. Seine mathematische Expertise möchte er bald auch in Berlin mit der Informatik verbinden, zum Beispiel in Forschungskooperationen zum Thema Big Data. „Berlin ist in den letzten Jahren zu einem tollen Ort für Mathematik geworden“, sagte Michael Joswig. Besonders das DFG-Forschungszentrum Matheon, das künftig als Einstein-Zentrum „EC Math“ weitergeführt wird, habe ihn nach Berlin gelockt.


Frank Kelleter
ist von der Universität Göttingen an die Freie Universität Berlin gewechselt. Hier hat der renommierte Wissenschaftler eine Einstein-Professur für Nordamerikanische Kultur und Kulturgeschichte angetreten. „Ich habe in meinen ersten Monaten in Berlin schon nach Kooperationsmöglichkeiten Ausschau gehalten“, sagt der Amerikanist, der zum Beispiel zu Fernsehserien forscht. „Die Möglichkeiten sind vielfältig, es wird darauf ankommen, intelligent auszuwählen.“ Neben neuen Kooperationen will Frank Kelleter auch seine erfolgreiche DFG-Forschergruppe „Ästhetik und Praxis populärer Serialität“ weiterführen.

Text: Julia Walter // Fotos: Moritz Vennemann