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Angelika Eggert

Mit exzellenter Forschung Kindern Zukunft schenken – das ist das Ziel von Angelika Eggert. Die Spezialistin für Krebs bei Kindern ist Einstein-Professorin für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie und Leiterin der gleichnamigen Klinik an der Charité. Sie forscht vor allem am Neuroblastom - einem Tumor, an dem die Hälfte der betroffenen Kinder sterben. In ihrer Laufbahn erhielt sie Rufe an mehrere onkologische Exzellenzzentren in Deutschland, zuletzt leitete sie das Westdeutsche Tumorzentrum am Universitätsklinikum Essen.

»Unser Ziel: Kinderkrebs heilbar zu machen«

Viele wundern sich, warum ich gerne mit krebskranken Kindern arbeite. Das liegt daran, dass es sehr positive Momente gibt, in denen ich Heilungen sehe oder schöne Erlebnisse mit den Kindern habe. Es ist eine Freude mitzuerleben, wenn sie aufwachsen und ein ganz normales Leben führen können. Die Heilungsrate für Kinderkrebs liegt heute bei 80 Prozent, in den 60er Jahren waren es noch 20 Prozent. Die Fortschritte wurden vor allem über bessere Kombinationen von Chemotherapie und Bestrahlung erreicht, doch das ist ausgereizt. Wir müssen jetzt neue, molekular gezielte Medikamente entwickeln, die ganz bestimmte Strukturen auf der Oberfläche eines Tumors erkennen und angreifen können – und jedem Patienten eine individualisierte Therapie ermöglichen. Das ist die Zukunft, auf die wir hinarbeiten. Unser Ziel muss es sein, Heilungsraten von 100 Prozent zu erreichen.

In meiner Arbeitsgruppe forschen wir an individualisierten Therapien zum Neuroblastom bei Kindern. Diese Tumorart interessiert mich, weil sie zwei völlig verschiedene Verlaufsformen hat. Es gibt eine Gruppe von Patienten, bei der sich dieser biologisch bösartige Tumor plötzlich spontan zurückentwickelt. Das ist etwas Faszinierendes, was wir von Krebs sonst nicht kennen. Man könnte es als Wunder bezeichnen. Aber wir wollen diesen Prozess verstehen, um die Erkenntnisse für die schreckliche Verlaufsform zu nutzen, bei der die Neuroblastome bereits in die Leber oder ins Knochenmark metastasiert sind. Diese Patienten können wir selbst mit aggressiver Chemotherapie, Bestrahlung oder Knochenmarktransplantation fast nie heilen. Daher hoffen wir auch hier neue Medikamente zu entwickeln, die den Tumor in seine positive Verlaufsform drängen.

Wenn eine Therapie nicht erfolgreich ist, dann ist das ein sehr bewegendes Erlebnis, das ich mit nach Hause nehme und persönlich verarbeiten muss. Meistens ist es so, dass ich ein Kind, wenn es bei ihm zum Rückfall kommt, schon sehr gut kenne. Im schlimmsten Fall stirbt das Kind. Das gehört leider auch zu unserem Alltag. In solchen Situationen gehe ich oft ins Labor und bin motiviert, dort mehr zu leisten. Auch gibt es Phasen im Labor, in denen keine Hypothese hält und kein Experiment klappt. Dann freue ich mich über schöne Erlebnisse in der Kinderklinik. Wenn ich zum Beispiel eine Nacht auf der Intensivstation um ein Kind gekämpft habe, für das es schlecht aussah, und es am Morgen über den Berg ist. Das sind Erfolgserlebnisse, die man im Labor nie haben kann.

Video: Mirco Lomoth