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Einstein-Fragebogen

Amr Aswad

Der Virologe Amr Aswad wechselt von der Universität Oxford als Einstein International Postdoctoral Fellow an die Freie Universität Berlin. Er verstärkt dort die Forschungsgruppe von Benedikt Kaufer, Lichtenberg-Professor für Resistenz gegen Virusinfektionen und Vakzine, die sich unter anderem mit humanen Herpesviren beschäftigt. Diese Erreger, die viele Menschen als schlummernde Infektion in sich tragen, können – etwa infolge eines geschwächten Immunsystems – schwere Krankheiten verursachen, etwa Hirnhautentzündung, Gürtelrose oder Pfeiffersches Drüsenfieber.

 

Schließen Sie bitte kurz Ihre Augen und denken Sie an Ihr Forschungsprojekt. Was sehen Sie als Erstes?

Ich sehe eine Armee ikosaederförmiger Herpesviren die über eine Zelloberfläche ausschwärmt. Dann einen Schnitt in das Innere der Zelle, wo sich ein Viruspartikel entpackt: Es wirkt wie die Selbstdemontage eines Roboters. Schließlich sehe ich das Virusgenom, wie es um den Zellkern schleicht, zum Rand eines Chromosoms gelangt und sich dort einfügt. Dieser letzte Abschnitt ist nur unscharf zu erkennen. Das Ziel meines Forschungsprojekts ist es daher, die Einzelheiten dieser abschließenden Szene – und ihre Konsequenzen! – zu entschlüsseln.


Wie würde Ihr Forschungsprojekt aussehen, wenn es ein Kunstwerk wäre?

Instinktiv würde ich sagen, dass mich die Geometrie der Herpesviren an arabeske Mosaike erinnert, wie man sie in der Architektur des Nahen Ostens findet. Aber in Wirklichkeit sind biologische Systeme viel chaotischer und zufälliger – also eher wie ein Jackson Pollock oder Kandinsky.


Bitte geben Sie Ihrem Forschungsprojekt einen passenden Fantasienamen! 

„Der Virus in mir“ – ich weiß, das wirkt ein bisschen abgedroschen, gibt aber genau den Kern meines Forschungsprojekts wieder und klingt gleichzeitig ein bisschen gruselig!


Was sind Ihrer Meinung nach die drei größten Erfindungen der Menschheit?

Die Schrift, das Konzept der Null und der Transistor.

 

Mit wem würden Sie gerne für einen Tag Ihren Arbeitsplatz tauschen und was würden Sie dann tun?

Ich würde gerne mal als Tischler arbeiten und dann wahrscheinlich den ganzen Tag lang Möbel bauen.


Gibt es ein Objekt, auf das Sie in Ihrem täglichen Leben nicht verzichten können? 

Ich bin immer wieder aufs Neue von bestimmten Dingen oder Hobbys besessen – häufig aber nie sehr lange. Ich mag diesen Spannungsbogen aus geweckter Neugierde, der Beschäftigung mit dem Thema, den Gesprächen darüber, mich vollständig in Beschlag nehmen lassen ... bis dann ein neues Thema meine Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Irgendwelche ungewöhnlichen Hobbys, die Sie uns verraten möchten?

Da bin ich ein echter Wiederholungstäter: Ich beschäftige mich immer wieder mit neuen Dingen, bis mein Interesse nachlässt oder ich auf etwas Neues aufmerksam werde. Im Moment besuche ich einen Töpferkurs und beschäftige mich unter anderem mit dem Fermentieren – eingelegtes Gemüse (natürlich auch Sauerkraut!), Sauerteigbrot und ein gerade noch genießbarer Apfelmet.


Gibt es einen konkreten Ort in Berlin, den Sie mit Ihrer Forschungsarbeit verbinden?

Ungefähr 1% der Weltbevölkerung trägt in ihrem Genom einen Herpesvirus. Entsprechend würde ich sagen: jeder Ort, an dem ein Berliner mit einem integrierten Herpesvirus ist!


Wie lautet Ihr persönliches Berliner Lieblingswort und was bedeutet es?

Winterspeck – ich futtere mir immer welchen an, wenn ich über Weihnachten in Berlin bin.


In welchem Berliner Bezirk, an welchem Ort, fühlen Sie sich besonders wohl und warum?

Definitiv die U- und S-Bahn. Hier trifft man Menschen aus allen Schichten und kann viel über Berlin und die Berliner lernen.

 



Februar 2018