Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Einstein-Fragebogen

Chris Soulsby

Mit seinem Expertenwissen in der Isotopenhydrologie und der hydrologischen Modellierung zählt Chris Soulsby zu den international gefragtesten Hydrologen. An der Technischen Universität Berlin unterstützt der mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftler im Fachbereich Wasserwirtschaft und Hydrosystemmodellierung die DFG-Forschungsgruppe „Urban Water Interfaces“.


Bitte schließen Sie kurz Ihre Augen und denken Sie an die Arbeit an Ihrem Forschungsprojekt. Was sehen Sie als Erstes?

Ich sehe Wasser durch Berlin fließen. Aber nicht nur das offensichtliche Wasser in der Spree und den Seen, sondern auch die riesigen Wassermengen, die in den Grundwasserleitern unterhalb der Stadt lagern. Und das im Boden gespeicherte Wasser, das von den Pflanzen ausgedünstet wird oder verdampft. Das Wasser in den Leitungen, die Wohnhäuser mit Frischwasser versorgen oder das Abwasser ableiten. 


Wie erklären Sie Ihr Forschungsprojekt einem Kind?

Ich würde einem Kind sagen, dass wir alle Wasser zum Trinken benötigen, aber auch, um unsere Häuser und Wohnungen sauber zu halten. Wenn wir das möchten, und weiterhin in Städten mit sauberen Flüssen und Seen leben wollen, dann müssen wir verstehen wie sich ein Regentropfen durch die Stadtlandschaft bewegt, und dieses System verwalten, um das Wasser sauber zu halten.


Was überrascht Menschen am meisten, wenn Sie von Ihrer Forschung erzählen?

Meistens wissen die Menschen nicht, dass unterirdisch große Mengen an ständig fließendem Wasser gespeichert sind, und wie lange es in der Regel dauert, bis das Wasser einmal komplett hindurchgewandert ist. In der Stadt sehen die Menschen den Regen in die Regenrinnen und Gullys laufen und denken instinktiv, dass das Wasser von dort innerhalb nur weniger Stunden oder Tage in die Flüsse gelangt. Tatsächlich benötigte das Wasser in den Flüssen jedoch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, um nach dem Aufschlagen als Regentropfen über die unterirdischen Wege in den Fluss zu gelangen.


Mit wem würden Sie gerne für einen Tag Ihren Arbeitsplatz tauschen und was würden Sie dann tun?

Aktuell würde ich gerne mit dem britischen Premierminister tauschen, um zu versuchen, die Lügen und die Unvernunft des Brexits zu stoppen. 


Haben Sie irgendwelche ungewöhnlichen Hobbys oder Talente, die Sie uns verraten möchten?

Ich liebe Kunst. Es fasziniert mich, wie Künstler die Umwelt und Natur wahrnehmen, um sie visuell in unterschiedlichem Maßstab und der jeweils gewählten Detailgenauigkeit darzustellen. Obwohl sehr unterschiedlich, kann das sehr bereichernd für uns Umweltwissenschaftler und die Art und Weise, wie wir die Natur begreifen, sein.


Was haben Sie erst durch Ihre Forschung über das Leben gelernt?

Dass es in der Regel viel Zeit, einen langen Atem, Überzeugung und viel harte Arbeit braucht, bis etwas Großes und Lohnendes erreicht ist. Und entsprechend ist es wichtig, daran Spaß zu haben!


Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären? 

Ich würde wahrscheinlich im Bereich Naturschutz arbeiten. Als Student wollte ich in einem Nationalpark arbeiten.


Gibt es einen außergewöhnlichen Gegenstand, der Sie in Ihrem Arbeitsleben oder im Alltag begleitet? 

In meinem Homeoffice habe ich seit jetzt fast 30 Jahren denselben Schreibtisch. An dem kann ich gut nachdenken und kreativ sein.


In welchem Berliner Bezirk, an welchem Ort, fühlen Sie sich besonders wohl und warum?

Da gibt es eine Menge Orte. Ich mag das Gebiet um den Müggelsee. Ich habe mal in einer Wohnung direkt am See gewohnt und konnte mich nie an dem wechselnden Licht, den unterschiedlichen Blau- und Grüntönen von See, Wald und Himmel sattsehen. In der Stadt spaziere ich gerne vom Brandenburger Tor aus über Unter den Linden bis zum Alexanderplatz. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel Geschichte in diesem kleinen Gebiet steckt.


Womit hätten Sie in Berlin gar nicht gerechnet und was vermissen Sie? Was macht Berlin einzigartig für Ihre Forschung?

Bei meinem ersten Besuch war ich überrascht, wie grün die Stadt ist und wie viele Parks, Wälder und Seen es gibt. Da ich aus Schottland komme, vermisse ich jedoch die bergige Landschaft – Berlin ist unglaublich flach!

Berlin ist ein guter Ort, um zu forschen. In Deutschland – dem „Land der Ideen“ – wird Forschung geschätzt, und in Berlin sind so viele exzellente Universitäten und Forschungseinrichtungen angesiedelt, die die Stadt zu einem intellektuell stimulierenden Umfeld machen. Und außerdem ist Berlin ein hervorragender Ort, um zu untersuchen, wie sich Wasser durch urbane Landschaften bewegt.

 


Juni 2019