Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Einstein-Fragebogen

John P. A. Ioannidis

Der Medizin-Professor Dr. John P. A. Ioannidis von der Stanford Universität gehört heute zu den zehn meist-zitierten Wissenschaftlern auf der Welt. Er wird in den nächsten Jahren ein neues Innovationszentrum für Meta-Forschung in Berlin (“Meta‑Research Innovation Center Berlin“, kurz: “METRIC B“) aufbauen. Ziel dieses Zentrums ist es, die Entstehung und Zuverlässigkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen zu erforschen. John Ioannidis ist einer der Urheber der inzwischen breiten Diskussion um die Qualität und Integrität medizinischer Forschung. 

 

Machen Sie bitte kurz die Augen zu und denken Sie an die Arbeit in Ihrem Forschungsprojekt. Was sehen Sie als Erstes?

Hm, wir haben unsere Augen die meiste Zeit geschlossen. Ich bin also eher darum bemüht, die Menschen dazu zu bringen, ihre Augen offen zu halten.


Wie erklären Sie Ihr Forschungsprojekt einem Kind?
Es ist, wie den ganzen Tag lang zu spielen. 


Was überrascht Menschen am meisten, wenn Sie von Ihrer Forschung erzählen?

Sie wundern sich, dass ich noch keinem Mordanschlag zum Opfer gefallen bin! 

 

Mit wem würden Sie gerne für einen Tag Ihren Arbeitsplatz tauschen und was würden Sie dann tun?

Ich würde etwas Neues tun, aber genau das versuche ich ja jeden Tag zu tun. 


Haben Sie irgendwelche ungewöhnlichen Hobbys oder Talente, die Sie uns verraten möchten?

Ich weiß nicht, ob es ungewöhnlich ist, ganz zu schweigen von einem Talent, aber ich bin Schriftsteller und schreibe außerdem Opernlibretti – und dem Schriftsteller würde es natürlich schmeicheln, wenn seine Bücher ins Deutsche übersetzt und seine Opern in Berlin aufgeführt würden.


Was haben Sie erst durch Ihre Forschung über das Leben gelernt?

Die Forschung ist wie das Leben, nur im mikroskopischen Maßstab – aber die Skalierung der Erfahrungen auf einen größeren Maßstab ist nicht einfach. Somit ist eines klar: Scheitern und wieder aufstehen gehören einfach dazu.


Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?Abgesehen von dem bisschen, was ich als Forscher, Lehrer und Schriftsteller tue, bin ich so nutzlos (meine Frau kann bestätigen, dass ich nicht mal eine Glühbirne wechseln kann!), dass ich wahrscheinlich arbeitslos wäre.


Gibt es einen außergewöhnlichen Gegenstand, der Sie in Ihrem Arbeitsleben oder im Alltag begleitet?

In meinen Brillenetuis trage ich eine Tetradrachme, d. h. ein Vierdrachmenstück, aus dem hellenistischen Alexandria und den Ring eines kleinen Mädchens aus der antiken Stadt Perge mit mir.


In welchem Berliner Bezirk, an welchem Ort, fühlen Sie sich besonders wohl und warum?

Die Museumsinsel natürlich. Mich verbindet so vieles mit dem, was dort lebendig gehalten wird, und ich bin sehr glücklich darüber, dass die Museumsinsel in der Nähe des Berlin Institute of Health liegt (und ich sie von dort aus sehen kann). 


Womit hätten Sie in Berlin gar nicht gerechnet und was vermissen Sie? Was macht Berlin einzigartig für Ihre Forschung?

Ich liebe Städte, die einen jeden Tag aufs Neue überraschen, und Berlin ist eine solche Stadt. Was ich hingegen vermisse, ist der Blick auf die Ägäis und das Ionische Meer, auch wenn diese fest in meinem Gedächtnis eingeprägt sind.

Berlin ist ein Epizentrum der Forschung: viele brillante Menschen, ein Quell an Ideen nur eine Armlänge (oder sollte ich sagen „Kopflänge“?) entfernt und diese besondere europäische Art der Inspiration.

 


Juni 2019