Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Einstein-Fragebogen

Katrina Forest

Katrina Forest ist Professorin für Bakteriologie, Chemie und Biophysik an der University of Wisconsin-Madison. Mithilfe von Kristallstrukturanalysen, molekularbiologischen und biochemischen Verfahren trägt die Forschung der Mikrobiologin zu einem besseren Verständnis von Fotorezeptoren bei, die vielfältige Funktionen in Mikroorganismen ausüben. In Berlin bringt Forest am Exzellenzcluster „Unifying Systems in Catalysis“ die Forschung an lichtgesteuerten Enzymen voran.

 

Machen Sie bitte kurz die Augen zu und denken Sie an die Arbeit in Ihrem Forschungsprojekt. Was sehen Sie als Erstes?

Ich „sehe“ die winzigen, bisher nur wenig erforschten Frischwasserbakterien, über die wir dank dieses Forschungsprojekts bald mehr wissen werden. Ich stelle mir vor, all die farbigen, ringförmigen Proteine, dicht gepackt in ihren Membranen erkennen zu können und wie die Zellen daran arbeiten, Moleküle aus dem Wasser zu transportieren und in für ihren Stoffwechsel brauchbare Bestandteile umzuwandeln.


Wie erklären Sie Ihr Forschungsprojekt einem Kind?

Wir erforschen die kleinen Kreaturen, die wir zwar nicht sehen können, die aber überall sind – im Schmutz, Wasser, unserem Körper und den Lebensmitteln. Die meisten dieser Kreaturen sind äußerst wichtig für unsere Gesundheit und unseren Planeten, daher bin ich sehr froh, dass es sie gibt, und möchte mehr über sie erfahren.


Was überrascht Menschen am meisten, wenn Sie von Ihrer Forschung erzählen?

Am meisten überrascht, wie viele Wissensbereiche wir abdecken können, dadurch dass wir nicht nur unsere spezifischen Fachkenntnisse und -fähigkeiten haben, sondern auch auf eine Campus- bzw. weltweite Zusammenarbeit zurückgreifen können.


Mit wem würden Sie gerne für einen Tag Ihren Arbeitsplatz tauschen und was würden Sie dann tun?

Vielleicht mit Erin French, der Köchin und Inhaberin eines kleinen Restaurants auf dem Land im US-Bundesstaat Maine. Ich würde die Zutaten anbauen, die Menüs planen, kochen und mich mit den Gästen unterhalten. Ich war noch nie dort, aber nachdem, was ich gelesen habe, muss es sehr idyllisch sein.


Haben Sie irgendwelche ungewöhnlichen Hobbys oder Talente, die Sie uns verraten möchten?

Eventuell der Umstand, dass mein Mann und ich uns kürzlich ein großes viktorianisches Haus auf einer Erhöhung nahe dem Universitätscampus in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin gekauft haben. Es stammt aus dem Jahr 1894 und ist entsprechend restaurierungsbedürftig. Und mein Mann und ich haben unüberlegt die Entscheidung getroffen, das alles selbst zu machen.


Was haben Sie erst durch Ihre Forschung über das Leben gelernt?

Wenn man viele Erfolge und Enttäuschungen erlebt hat, sind die neuen Erfolge weiterhin großartig und spannend, während die neuen Enttäuschungen weniger hart und schmerzhaft erscheinen.


Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären? 

Das ist eine hervorragende Frage, über die ich schon viel nachgedacht haben und die ich immer wieder gerne verwende, um auf Cocktailpartys mit anderen ins Gespräch zu kommen! In meinem Fall wäre die Antwort wohl Architektin.


Gibt es einen außergewöhnlichen Gegenstand, der Sie in Ihrem Arbeitsleben oder im Alltag begleitet?

Nein, eigentlich nicht; ich definieren mich nicht über Gegenstände.

Aber wenn ich diese Frage nicht schuldig bleiben soll, müsste ich wohl den 30 Jahre alten Lederrucksack nennen, den ich eigentlich auf jeder Reise dabeihabe. Da wir gerade davon sprechen, er muss zur Reparatur beim Schuster, ich werde ihn also in einem Monat mit nach Berlin bringen.

 

In welchem Berliner Bezirk, an welchem Ort, fühlen Sie sich besonders wohl und warum?

Wo ich mich „besonders“ wohlfühle, ist schon eine weitreichende Aussage, aber einen Ort, den ich vor zehn Jahren besucht habe, fand ich faszinierend, und zwar das Badeschiff. Außerdem mag ich die großen, ausladenden S-Bahn-Stationen mit den Wänden und Decken aus Glas. Und ich schätze die Nähe zwischen Berlin und der ländlichen Region.


Womit hätten Sie in Berlin gar nicht gerechnet und was vermissen Sie? Was macht Berlin einzigartig für Ihre Forschung?

Ich war positiv überrascht, wie dunkel der Berliner Nachthimmel trotz der Lichter der Großstadt ist.

Da ich bisher immer nur sehr kurz in Berlin war, bin ich leider noch nicht so vertraut mit der Stadt, um ohne zu googeln Pläne machen zu können – wo ist eine gute Joggingstrecke, ein gutes Restaurant, keine sichere Gegend usw. Aber ich bin sicher, das wird sich bald ändern.

In Berlin gibt es ein unglaublich enges Netzwerk an Wissenschaftlern, die an mindestens fünf großen Forschungseinrichtungen an den Schnittstellen zwischen Chemie, Physik und Biologie forschen. Die gegenseitige Unterstützung ist groß und führt zu einer Zusammenarbeit, durch die wir hier schneller als irgendwo sonst Fortschritte machen können.

 

Mai 2019