Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Einstein-Fragebogen

Léo Botton-Divet

Das Forschungslabor für Morphologie und Formengeschichte unter der Leitung von John Nyakatura an der Humboldt-Universität zu Berlin wird durch die Mitarbeit des Einstein International Postdoctoral Fellows Léo Botton-Divet gestärkt, der in Paris am Muséum National d’Histoire Naturelle und Centre national de la recherche scientifique in Funktionsmorphologie promoviert hat. Als Teil des DFG-Exzellenzclusters „Bild Wissen Gestaltung“ schafft die wissenschaftliche Nachwuchsgruppe von John Nyakatura eine Brücke zwischen Biologie, Kunst- und Bildgeschichte.

 


Machen Sie bitte kurz die Augen zu und denken Sie an die Arbeit in Ihrem Forschungsprojekt. Was sehen Sie als Erstes?

Affenskelette, die von Ast zu Ast schwingen. Das ist nicht makaber gemeint, sondern soll einfach nur bedeuten, dass ich durch ihre Körper hindurchsehen kann.


Wie erklären Sie Ihr Forschungsprojekt einem Kind?

Wir versuchen zu verstehen, wie und warum Bewegungen und Sprünge bei Affen, die ansonsten gleich aussehen, unterschiedlich sind.


Was überrascht Menschen am meisten, wenn Sie von Ihrer Forschung erzählen?

Die Menschen sind immer wieder überrascht, wie wenig wir über Tiere wissen, die eine solche Symbolkraft für uns haben wie die Menschenaffen.


Mit wem würden Sie gerne für einen Tag Ihren Arbeitsplatz tauschen und was würden Sie dann tun?

Ich würde gerne einmal Zeit in einer Feinmechanikerwerkstatt verbringen, zum Beispiel bei einem Uhrmacher oder einer Werkstatt für die Reparatur alter Kameras. Ich habe eine Faszination für kleine Apparate, die die Zeit oder Licht erfassen können.


Haben Sie irgendwelche ungewöhnlichen Hobbys oder Talente, die Sie uns verraten möchten?

Einradfahren, auch wenn ich das ein bisschen vernachlässigt habe, seit ich in Berlin bin.


Was haben Sie erst durch Ihre Forschung über das Leben gelernt?

Dass wird ohne spezielle Werkzeuge nur sehr schlecht beurteilen können, wie sich zwei biologische Formen voneinander unterscheiden. Unser Gehirn beurteilt Dinge ad hoc als gleich, die nach genauerer Betrachtung sehr unterschiedlich sind, während die Unterschiede, die wir direkt wahrnehmen, evolutionär und funktionell häufig völlig irrelevant sind.


Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?

Ich hätte einen Job gewählt, der es mir ermöglichen würde, in der freien Natur zu sein.


Gibt es einen außergewöhnlichen Gegenstand, der Sie in Ihrem Arbeitsleben oder im Alltag begleitet?

Pflanzen! Meine Wohnung ist voller Pflanzen, nur wenige davon habe ich gekauft. Pflanzen lassen sich ganz wunderbar mit anderen Menschen teilen!


In welchem Berliner Bezirk, an welchem Ort, fühlen Sie sich besonders wohl und warum?

Ich mag die ganze Stadt. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Und Berlin ist deutlich weniger steif als andere Städte, die ich bisher kennengelernt habe. Man hat das Gefühl, dass hier Platz für jeden ist, jeder das machen kann, was er möchte.


Womit hätten Sie in Berlin gar nicht gerechnet und was vermissen Sie? Was macht Berlin einzigartig für Ihre Forschung?

Ich hatte gehört, dass Berlin eine grüne Stadt ist. Aber sie ist noch viel grüner als gedacht – überall sind Bäume und Parks. Das Einzige, was ich momentan vermisse, ist französischer Käse. Den sollte es hier auch geben, aber sicherlich nicht an jeder Straßenecke.

Ansonsten würde ich sagen, dass die Stadt ein hervorragender Ort für die Forschung ist: Sie verbindet fortschrittliche Forschung, große Institutionen und Infrastruktur mit einer sehr einträchtigen Umgebung – eine europäische Hauptstadt ohne die Schattenseiten!