Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Einstein-Fragebogen

Martin Lüthe

Der Amerikanist setzt sich mit den „Critical Whiteness Studies“ auseinander – einem aus den USA stammenden jungen Forschungszweig im Bereich der Rassismus- und Diskriminierungsforschung, in dem die Konstruktion des Weißseins als normative Kategorie hinterfragt wird. Anhand ausgewählter Fallstudien möchte Lüthe unter anderem aufzeigen, wie sich in der digitalen Gegenwart die Identitätsentwürfe der als „weiß“ (oder „schwarz“) porträtierten Menschen dadurch bedingen und reziprok auf ihr Handeln und Denken auswirken.

 

Schließen Sie bitte kurz Ihre Augen, und denken Sie an an Ihr Forschungsprojekt. Was sehen Sie als Erstes?
Beyoncé und Erik Killmonger (Black Panther).

 

Wie erklären Sie Ihr Forschungsprojekt einem Kind?
In meinem Projekt geht es um Verbindungen, die zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben entstehen, wenn sie bestimmte Bücher lesen, Filme gucken oder Lieder hören.

 

Was überrascht Menschen am meisten, wenn Sie von Ihrer Forschung erzählen?
Eigentlich immer (noch) die Tatsache, dass auch “Weiß-sein“ keine neutrale Identität darstellt. 

 

Mit wem würden Sie gerne einmal einen Arbeitstag tauschen, und was würden Sie dann tun?
Wenig einfallslos: mit einem Astronauten/einer Astronautin auf der ISS — einfach runtergucken! 

 

Gibt es ein bestimmtes, ungewöhnliches Hobby oder auch Talent von dem Sie uns erzählen möchten?
Ich spiele leidenschaftlich gerne digitale Fussballspiele, bin hier aber mittelmäßig begabt. 

 

Was haben Sie erst durch Ihre Forschung über das Leben gelernt?
Wie (Populär)Kultur uns einen Spielraum von Identifikationen und Identitätswerdungen zur Verfügung stellt. 

 

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?
Vollzeit-Papa und Hausmann oder “irgendwas-mit-Medien”-Mensch. 

 

Welchen Ort in Berlin finden Sie besonders spannend? Oder gibt es einen Berliner Ort an dem Sie sich besonders wohl fühlen?
Ich mag die Waldbühne sehr gerne aber auch unseren Kiez, Moabit; für mich als Kind einer mittelgroßen deutschen Stadt ist auch der Hauptbahnhof imposant, imposanter als die Flughäfen hier allemal.

 

Was überrascht Sie an Berlin am meisten? Womit hätten Sie in Berlin gar nicht gerechnet und was vermissen Sie? Was macht Berlin einzigartig für Ihre Forschung?
Für meine Forschung ist Berlin in der Tat einzigartig, weil es wie keine andere Stadt in Deutschland Menschen unterschiedlicher Kulturen fasziniert und vernetzt; womit ich weniger gerechnet habe, ist das “Kiez-ige”, also dass viele Berliner ihren eigenen Kiez bevorzugen und auch ein Großteil des sozialen Lebens sich in den Kiezen selber abspielt. Das Konzept “Innenstadt” oder vergleichbares ist Berlinern eher fremd und es erinnert mich — als Amerikanisten — somit auch ein wenig an nordamerikanische Städte dieser Größe. Berlin als Wissenschaftsstandort ist gleichermaßen imposant aber hin und wieder eben auch ein wenig “Kiez-ig”.

 

Juni 2019