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Einstein-Fragebogen

Robert Burnap

Robert Burnap ist durch seine Forschung zur Sauerstoffbildung in der oxygenen Photosynthese von Pflanzen, Algen und Cyanobakterien international bekannt geworden. In Berlin experimentiert der Mikrobiologe und Molekulargenetiker Burnap im biophysikalischen Sonderforschungsbereich „Proteinfunktion durch Protonierungsdynamik“ zur Rolle von Manganoxid bei der Evolution der oxygenen Photosynthese vor etwa drei Milliarden Jahren. Die Erkenntnisse seiner Forschung unterstützen die CO2-neutrale Gewinnung nicht-fossiler Brennstoffe durch künstliche Photosynthese.

 

Bitte schließen Sie für einen Moment die Augen und denken an Ihr Forschungsprojekt. Was sehen Sie?

Keine leichte Aufgabe, das in ein einziges mentales Bild zu fassen. Das Bild oszilliert zwischen den beteiligten Personen und den recht abstrakten molekularen Strukturen und Prozessen, die mal ganz nah oder auch außerhalb meiner Sicht sind. Ich sehe die Tätigkeiten von mir und den Menschen um mich herum, wie wir denken, uns treffen und unsere Experimente durchführen. Und ich sehe Studenten.

 

Wie würde Ihr Forschungsprojekt aussehen, wenn es ein Kunstwerk wäre?

Es wäre eine abstrakte, farbenfrohe Installation, die wie ein dicht verzweigter Baum aussieht. Ein Symbol dafür, dass die Natur die Energie der Sonne aufnimmt. Ich beschäftige mich zwar eher mit photosynthetischen Mikroorganismen, aber der Baum verkörpert für mich sowohl Schönheit als auch nachhaltige Energie. Als Baum des Lebens führen seine uralten Ahnenäste durch die evolutionäre Entwicklung der Photosynthese bis zur Transformation des Planeten, die sie hervorgerufen hat.

 

Bitte geben Sie Ihrem Forschungsprojekt einen passenden Fantasienamen!

Lichtgetrieben und hoch entwickelt!

 

Welche sind Ihrer Meinung nach die drei bedeutendsten Erfindungen der Menschheit?

Das geschriebene Wort, das Konzept der Null und die Espressomaschine.

 

Mit wem würden Sie gern Ihren Arbeitsplatz für einen Tag tauschen und was würden Sie dann tun?

Wenn auch die eigenen Fähigkeiten getauscht werden könnten, wäre es Yo-Yo Ma. Natürlich würde ich Bach spielen, aber auch andere Musik. Und ich würde Mas soziale Interaktionen erleben.

 

Gibt es ein Objekt, auf das Sie in Ihrem täglichen Leben nicht verzichten können?

In Berlin ist es mittlerweile das Fahrrad. Ich hatte schon fast vergessen, wie großartig es ist, mit diesem elementarsten aller Transportmittel zu fahren. Und zwangsläufig mein Tablet, das habe ich immer dabei, da ich es für meine Recherchen und meine Terminplanung nutze.

 

Irgendwelche ungewöhnlichen Hobbys, die Sie uns verraten wollen?

Klingt ein bisschen seltsam, aber eines meiner Lieblingshobbys ist, im Labor an wissenschaftlichen Instrumenten herumzutüfteln. Es ist herausfordernd und entspannend zugleich – wahrscheinlich die natürliche Fortsetzung meiner kindlichen Leidenschaft für Modellflugzeuge. Früher war ich begeisterter Sporttaucher, jetzt zeichne ich gerne, meist abstrakte Bilder.

 

Gibt es einen Ort in Berlin, den Sie mit der Arbeit an Ihrem Forschungsprojekt verbinden?

Wenn ich in Berlin bin, bin ich hauptsächlich mit meiner Forschung beschäftigt. Ich erforsche aber auch gerne die Stadt, ihre Musik und ihre Museen – da nutze ich jede Gelegenheit. Ich habe viele Assoziationen, die irgendwie mit unserem Forschungsprojekt zusammenhängen. Aber wenn ich einen Ort aussuchen müsste, dann wäre es Krumme Lanke – dort zu schwimmen regeneriert mich, sodass ich erfrischt weitermachen kann.

 

Oktober 2018