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ALBERT fragt ...

Ein Beitrag aus ALBERT Nr. 11 "Gesundheitsforschung"

Bestimmt die innere Uhr, wie gesund wir sind?

Antwort von Achim Kramer

 

Die „innere Uhr“ ist ein molekulares Programm, das in nahezu jeder Körperzelle abläuft. Sie steuert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus sowie Hormonproduktion, Stoffwechsel und vieles mehr. Licht spielt eine zentrale Rolle – der ultimative Taktgeber ist jedoch eine kleine Struktur im Gehirn: der suprachiasmatische Nukleus. Er sorgt beispielsweise dafür, dass wir nicht einfach einschlafen, sobald es dunkel wird.

Die meisten Menschen haben einen „normalen“ Chronotyp: Sie gehen etwa um 23 Uhr ins Bett und wachen von selbst gegen 7 Uhr auf. Es gibt aber auch „Lerchen“ und „Eulen“. Dieser individuelle Rhythmus ist genetisch verankert, kann sich aber durch äußere Einflüsse verschieben: Schichtarbeit, nächtliches Essen, früher Schulbeginn, Bildschirmlicht am Abend oder unregelmäßige Schlafzeiten bringen unsere innere Uhr aus dem Takt. Das kann Folgen für die Gesundheit haben. Zahlreiche Studien zeigen: Eine gestörte innere Uhr steht im Zusammenhang mit Stoffwechselerkrankungen, Depressionen, Herz-KreislaufProblemen und sogar neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer.

Lange galt der persönliche Chronotyp als schwer messbar. Inzwischen kennen wir objektive Marker im Blut oder in Haarwurzeln, mit denen sich der individuelle Typ bestimmen lässt. Auch in der Medizin findet das Wissen der Chronobiologie zunehmend Anwendung: Auf manchen Intensivstationen hilft gezielte Lichtsteuerung dabei, das Risiko postoperativer Delirien zu senken. Zudem weiß man, dass Medikamente oft besser wirken, wenn sie zur richtigen Tageszeit verabreicht werden – ein Ansatz, der als „Chronomedizin“ bekannt ist.

Experte

Achim Kramer leitet den Arbeitsbereich Chronobiologie an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er interessiert sich besonders für das Verständnis der molekularen Grundlagen der „inneren Uhr“ und wie dies in der Medizin zum Wohle der Patient:innen genutzt werden kann.

März 2026