Für die Wissenschaft. Für Berlin.

IX / X Das Berlin der Zukunft braucht ...

… Museen als Labore

Die Welt von heute ist multipolar und interdependent. Geografische Räume rücken durch die digitale Transformation, verdichtete Wissens- und Warenflüsse und die hohe Mobilität der Bevölkerung zusammen. Daraus erwächst die Erfahrung einer beschleunigten, eng verflochtenen und komplexen Weltgesellschaft, aber auch Verunsicherung und das Bedürfnis nach Orientierung. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Bedeutung und der gesellschaftlichen Rolle von Kultureinrichtungen neu.

Sammlungsinstitutionen wie Museen, Bibliotheken und Archive, von denen jene in Berlin unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu den größten und bedeutendsten unseres Landes zählen, stehen vor völlig neuen Herausforderungen. Sie wollen nicht länger Horte disziplinär geordneten und streng nach Sparten getrennten Wissens sein, sondern sich zu gesellschaftlichen Laboren und Plattformen für Austausch und Partizipation weiterentwickeln.

Die Berliner Sammlungen spiegeln Geschichte auf ganz unterschiedlichen Ebenen, sie sind materialisierte Vergangenheit. Aber noch immer wird die Macht der Objekte unterschätzt. Dabei sah man die Museumsinsel schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts als „Freistätte für Kunst und Wissenschaft“ und betrachtete – je nach Standpunkt – entweder die Museen als Teil der Berliner Universität oder die Universität als einen den Museen angeschlossenen Lehrbetrieb. Die Verbindung von sammlungsbezogener Grundlagenforschung und universitärer Lehre ist also seit den frühesten Anfängen in die DNA der verschiedenen Stiftungseinrichtungen eingeschrieben.

Für die Zukunft kann dies nur bedeuten, dass außeruniversitäre Sammlungsinstitutionen und universitäre Forschung und Lehre in den nächsten zehn Jahren strategische Partnerschaften eingehen, sich noch enger verbinden und gemeinsame Fellowship-Programme und Kompetenzzentren entwickeln. Der in Planung begriffene Forschungscampus Dahlem könnte ein solcher Ort der neuartigen Vernetzung Berliner Wissenschaftsinstitutionen sein, aber natürlich gilt dies auch für das Kulturforum als Forum der europäischen Kunst und Kultur der Neuzeit und der Moderne oder für die Museumsinsel samt Humboldt Forum.

Die sammlungsbezogene Grundlagenforschung ist einer der zentralen Pfeiler und Traditionskerne der Berliner Gedächtnisinstitutionen. Doch das Potenzial, mithilfe der Dinge aus unseren kunst-, kultur-, natur- und technikgeschichtlichen Museen die Verflechtungen unserer Welt begreiflich zu machen, ist noch längst nicht ausgeschöpft. In Zukunft müssen wir dieses Wissen, das aus unseren Objekten erwächst, auf vielfältige Weise in die Gesellschaft kommunizieren, denn nur gemeinsam erarbeitetes Wissen von- und übereinander kann zu mehr Respekt und Toleranz führen und damit langfristig eine friedfertige Zukunft gewährleisten.