Der Einstein-Zirkel „Longevity – Healthy Ageing Assisted by Digital Technologies“ widmete sich der Frage, wie digitale Technologien dazu beitragen können, dass Menschen nicht nur länger leben, sondern auch länger selbstbestimmt, gesund und sozial eingebunden bleiben. Im Zentrum stand konsequent die Perspektive der Nutzer:innen: älterer Menschen, ihrer Angehörigen und derjenigen, die in Pflege und Versorgung arbeiten. Der Zirkel fragte, wo heute Lücken in der Versorgungslandschaft bestehen, wie digitale Lösungen sinnvoll eingesetzt werden können und unter welchen Bedingungen sie tatsächlich im Alltag ankommen.
Der Zirkel war bewusst interdisziplinär und international besetzt, mit Expertise aus Medizin, Pflege, Informatik, Sozial- und Geisteswissenschaften, Ethik, Design und Musiktherapie sowie Partnern aus Berlin/Brandenburg, der University of California, Berkeley und der Universität Zürich. Die Zusammenarbeit fand überwiegend online statt; ein Präsenztreffen in Berlin diente dazu, sich persönlich kennenzulernen, in die Tiefe zu diskutieren und gemeinsame Linien zu schärfen. In den Sitzungen wurden nicht nur Konzepte entwickelt, sondern auch konkrete Beispiele und Projekte vorgestellt, die zeigten, wie digitale Gesundheit im Alltag älterer Menschen aussehen kann.
Inhaltlich behandelte der Zirkel ein breites Spektrum von Themen: von Versorgungsmodellen der Zukunft über Fragen der Arbeitswelt in der Pflege bis hin zu neuen datengetriebenen Ansätzen wie digitalen Zwillingen. Immer wieder ging es um die Frage, wie die Rolle von Pflegekräften gestärkt und der Beruf attraktiver gestaltet werden kann, etwa durch gezielten Technologieeinsatz, der entlastet, Kompetenzen sichtbar macht und CareArbeit als anspruchsvollen, sinnvollen Beruf anerkennt. Diskutiert wurden außerdem Möglichkeiten, erfolgreiche Modelle wie Living Labs aus anderen Ländern auf den Berliner Kontext zu übertragen, zum Beispiel in Form von offenen Test- und Austauschformaten an der Charité.
Ein wichtiges Element waren Fallbeispiele und Einzelprojekte, die im Zirkel vorgestellt wurden: etwa musiktherapeutische Ansätze bei Parkinson, Design- und Studierendenprojekte zu Alltagsunterstützung und sozialer Teilhabe sowie Forschungsarbeiten zu Diabetes und digitaler Gesundheitskompetenz. Über die Kooperation mit UC Berkeley wurden Programme wie ACTIVATE und Konzepte zu digitalen Zwillingen eingebracht; eine Doktorandin aus dem Berliner Raum wird einen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt in Berkeley absolvieren, was die langfristige internationale Vernetzung stärkt. Die Ergebnisse und Perspektiven des Zirkels sollen zudem im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe „Einstein in the Dome“ vorgestellt werden und damit ein breiteres Publikum erreichen.
Die inhaltliche Arbeit mündete in zwei zentrale Produkte. Das Positionspapier formuliert einen gemeinsamen Rahmen für digitale gesunde Langlebigkeit und bündelt die Perspektive des Zirkels in Form eines domänenübergreifenden Ansatzes, der medizinische, technische, praktische, interaktive, psychosoziale, ethische und rechtliche Aspekte zusammendenkt. Darauf aufbauend entstand das Whitepaper-Playbook als allgemeinverständlich geschriebener Abschlussbericht. Es beschreibt die zentralen Themen und Fallbeispiele des Zirkels, ordnet sie in den aktuellen Kontext in Deutschland und Berlin/Brandenburg ein und fasst Empfehlungen für zukünftige Einstein-Zirkel, Förderprogramme, Forschungsteams sowie Praxispartner zusammen. Zugleich dient es als Implementierungsleitfaden, der aufzeigt, wie ähnliche Initiativen praktisch aufgesetzt, strukturiert und weiterentwickelt werden können. Es richtet sich ausdrücklich nicht nur an Fachkreise, sondern kann auch von älteren Menschen, Angehörigen und Pflegekräften gelesen werden, die sich dafür interessieren, wie digitale Technologien den Alltag im Alter verändern könnten und welche Voraussetzungen nötig sind, damit sie hilfreich und gerecht sind.

