Pressemitteilung

15.01.2024

Neues Förderprogramm und Fortsetzung der Erforschung von Tierversuchsalternativen: Einstein Stiftung Berlin bewilligt Forschungsförderungen in Höhe von 5,6 Millionen Euro

Der Vorstand der Einstein Stiftung Berlin hat im Dezember die Förderung der ersten Forscher:innen im neuen Programm Einstein Starting Researcher, Oya Cingöz und Christoph Sander, bewilligt. Das Programm erlaubt es den Berliner Universitäten, exzellente Wissenschaftler:innen auf dem Weg zur Professur für bis zu vier Jahre zu rekrutieren oder in Berlin zu halten. Grünes Licht gab es auch für zwei Einstein Visiting Fellows: Mit Wonwoo Nam erhält erstmals ein Wissenschaftler aus Korea eine Einstein-Förderung, die Förderung von Zoltàn Molnar wird für zwei Jahre fortgesetzt. Die Historikerin Ida Toth wird als Forscherin im Programm Einstein BUA/Oxford Visiting Fellow gefördert. Im Programm der Einstein Guest Researcher wurden die Anträge für drei Wissenschaftler:innen aus der Türkei, die in ihrem Herkunftsland bedroht oder in ihrer Arbeit eingeschränkt werden, positiv beschieden. Nach erfolgreicher Zwischenevaluation erhält zudem das Einstein Center 3R (Replace, Reduce, Refine) eine zweite Laufzeit. 
 

Einstein-Zentrum
Einstein Center 3R 
Das Einstein Center 3R hat das Ziel, tierfreie Methoden zur Erschaffung neuer Therapien für menschliche Erkrankungen zu entwickeln, die zudem die Übertragbarkeit von Laborerkenntnissen auf Patient:innen verbessern sollen. Das Zentrum bündelt Kompetenzen aus Charité – Universitätsmedizin Berlin (Charité), der Freien Universität Berlin (FU Berlin), der Humboldt-Universität zu Berlin (HU Berlin) sowie der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) und entstand in enger Kooperation mit dem Berlin Institute of Health in der Charité, dem Max Delbrück Center, dem Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Robert Koch-Institut (RKI). Nach dem 3R-Prinzip von William Russell und Rex Burch arbeitet das Zentrum in den drei Handlungsfeldern Forschung, Lehre und Kommunikation seit 2021 daran, Tierversuche zu ersetzen (Replace), die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren (Reduce) oder die Belastung für Versuchstiere zu mindern (Refine). Nach erfolgreicher Zwischenevaluation wird es für weitere zweieinhalb Jahre gefördert.
 

Einstein Starting Researcher 
Oya Cingöz
Nach ihrer Promotion in Boston und einer Postdoc-Stelle in New York ist Oya Cingöz seit 2018 am RKI, wo sie am Humanen Immundefizienz Virus (HIV) und anderen Retroviren forscht. Unterstützt von Christian Drosten wird sie nun als Einstein Starting Researcher an der Charité eine Grundannahme der Virologie auf den Prüfstand stellen. So hat Cingöz herausgefunden, dass Retroviren nicht, wie bisher angenommen, für ihre Genexpression immer den Umweg über ein DNA-Stadium im Kern der Wirtszelle gehen müssen. Sie können Gene offenbar auch direkt von ihrem eigenen RNA-Genom exprimieren. Diese Erkenntnis kann weitreichende Folgen haben, beispielsweise für die Immunreaktionen bei HIV-exponierten Personen und die Entwicklung von retroviralen Impfstoffen, die im Rahmen des Projekts weiter untersucht und erforscht werden soll.
 
 
Christoph Sander  
Nach seiner Promotion in Wissenschaftsgeschichte an der TU Berlin hatte Christoph Sander Postdoc-Stellen in Berlin und in Rom inne. An der HU Berlin wird er nun untersuchen, wie Menschen vor dem 19. Jahrhundert wissenschaftliche Literatur gelesen und die konkreten Bücher mit Anmerkungen versehen haben. Als Grundlage dafür dienen digitalisierte Werke aus dem Bestand der Staatsbibliothek Berlin, die in Europa vor 1800 gedruckt wurden. Das im Bereich der Digital Humanities angesiedelte Projekt möchte Erkenntnisse unter anderem darüber gewinnen, ob sich Muster in den Anmerkungen erkennen lassen, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben und welche Schlüsse sie über die Entwicklung von Leseverhalten und Inhaltsverstehen erlauben.    
 

Einstein Visiting Fellows
Wonwoo Nam
Wonwoo Nam ist Distinguished Professor für Chemie und Nanowissenschaft an der EWHA Womans University in Seoul. Im Fokus des Projekts „Developing Green Catalytic Systems Utilizing Bioinspired Metal Catalysts“, das er an der HU Berlin zusammen mit Kallol Ray durchführen wird, stehen Metalloenzyme. Diese speziellen Proteine enthalten Übergangsmetalle wie Eisen oder Mangan und können dadurch Sauerstoff reaktiv machen. Inspiriert durch die Natur wird im Projekt untersucht, wie sich Metalloenzyme für künstliche Photosynthese nutzen lassen. Hierdurch ließen sich beispielsweise industrielle Prozesse energieeffizienter gestalten oder nachhaltige Energiegewinnung verbessern. Das Projekt ist am Exzellenzcluster „Unifying Systems in Catalysis (UniSysCat)“ angesiedelt.
 

Zoltàn Molnar
Seit 2020 ist Zoltàn Molnar, Professor of Developmental Neurobiology an der University of Oxford, als Einstein Visiting Fellow an der Charité tätig. Zusammen mit der Forschungsgruppe von Britta Eickholt erforscht er am Exzellenzcluster NeuroCure das Gen PTEN, dessen Defekt mit der Entstehung von Autismus und Epilepsie in Verbindung gebracht wird. Nach der erfolgreichen ersten Förderphase soll in den abschließenden beiden Jahren erforscht werden, ob eine gestörte Gehirnentwicklung aufgrund von defektem PTEN umgekehrt werden kann und zu welchen Entwicklungszeitpunkten dies möglich ist. Diese Experimente werden somit Erkenntnisse generieren, die einen direkten therapeutischen Nutzen für Patient:innen haben werden.
 

Einstein Guest Researcher
Im Programm der Wissenschaftsfreiheit hat der Vorstand die Förderung für drei Wissenschaftler:innen aus der Türkei bewilligt. Die Namen und Projekte der Einstein Guest Researcher werden aus Sicherheitsgründen und auf Wunsch der Geförderten nicht bekannt gegeben.  
 

Einstein BUA/Oxford Visiting Fellow
Ida Toth
Bereits im November bewilligte das Board of Directors der Berlin University Alliance (BUA) die Förderung von Ida Toth als neuer Einstein BUA/Oxford Visiting Fellow. Die Historikerin und Byzantismusforscherin lehrt an der Faculty of History und der Faculty of Classics der University of Oxford. Im Fokus des Projekts “The Seven Sages of Rome Revisited: Striving for an Alternative Literary History”, das sie zusammen mit Jutta Eming an der FU Berlin durchführen wird, steht der Stoff der „Seven Sages of Rome“. Dieser war in Gestalt von über 1000 Manuskripten vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert in unterschiedlichen Varianten in Europa und dem Nahen Osten weit verbreitet und ist damit ein einzigartiges Objekt für die Erforschung eines Erzählkomplexes aus globaler Perspektive. Insbesondere interessieren sich Ida Toth und Jutta Eming dafür, wie zentrale Motive des Stoffes – Weisheit, Macht und Geschlechterrollen – sich in kulturübergreifenden Anverwandlungen und Rezeptionen verändern.     

 

Die Einstein Stiftung Berlin ist eine gemeinnützige, unabhängige und wissenschaftsgeleitete Einrichtung, die als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet wurde. Sie fördert Wissenschaft und Forschung fächer- und institutionenübergreifend in und für Berlin auf internationalem Spitzenniveau. Rund 200 Wissenschaftler:innen – unter ihnen drei Nobelpreisträger –, über 70 Projekte und sieben Einstein-Zentren wurden bislang gefördert.