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Initialzündung

Das Einstein-Zentrum für Katalyse steht für den Zusammenschluss der Berliner Forschungseinrichtungen in Chemie, Physik und Biologie. Seit 2019 fördert es Nachwuchstalente in der Katalyseforschung, die sich zwischen den Disziplinen bewegen

 

„Interdisziplinarität war von vornherein Bestandteil unseres Konzepts, die klassischen Grenzen der Disziplinen spielen hierbei nur noch eine untergeordnete Rolle”, sagt Jean-Philippe Lonjaret, Geschäftsführer des Einstein-Zentrums für Katalyse (EC 2). Das 2016 gegründete Zentrum unterstützt den Aufbau eines interdisziplinären Netzwerks von Katalyse-Expert*innen und die Ausbildung von Nachwuchsforschenden in Berlin. Chemie, Physik, Biologie und Medizin werden hier genauso zusammengebracht wie Grundlagenforschung und Anwendungsbezug.

 

Katalyseforschung – das heißt in Berlin auch: Initialzündung. Den Anfang machte 2007 das Exzellenzcluster Unifying Concepts in Catalysis (UniCat), das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 50 Millionen Euro gefördert wurde. Die Kooperation zwischen Technischer Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Freier Universität Berlin, Charité-Universitätsmedizin und der Universität Potsdam brachte ein Jahrzehnt beachtlicher Erfolge: rund 250 Wissenschaftler*innen und 42 Arbeitsgruppen, mehr als 50 angemeldete Patente und über 1700 Publikationen. Beteiligten aus über 28 Nationen gelang es, Berlin zu einem katalytischen Zentrum mit internationaler Wirkung zu machen. Fast zeitgleich mit UniCat nahm die Berlin International Graduate School of Science and Engineering (BIG-NSE) ihre Arbeit auf – an der bis heute mehr als 100 Nachwuchswissenschaftler*innen in der Katalyseforschung promoviert haben.

 

Um die Forschung am Exzellenzcluster UniCat nach dem Ende der Förderung durch die DFG 2017 langfristig zu sichern, bewilligte die Einstein Stiftung Berlin Mittel für die Gründung des EC 2. 2019 wurde mit der zweiten Runde der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Weg frei für ein neues Berliner Exzellenzcluster im Bereich der Katalyseforschung: Unifying Systems in Catalysis (UniSysCat). Das Einstein-Zentrum konzentriert sich seither auf die Förderung exzellenter Nachwuchswissenschaftler*innen aus den unterschiedlichen Teildisziplinen der Katalyse. Im Mittelpunkt steht dabei die  Graduiertenschule BIG-NSE (siehe „Kraftklub”), die eine Brücke zwischen UniSysCat und anderen Forschungsnetzwerken in Berlin schlägt.



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„Dadurch konnten wir unseren interdisziplinären Ansatz noch verstärken”, sagt Lonjaret. Doktorand*innen sind aufgefordert, über den Tellerrand ihrer Studienrichtung zu schauen, sich mit Konzepten und Methoden anderer Fachdisziplinen vertraut zu machen und diese gegebenenfalls in ihren eigenen Projekten anzuwenden. Dabei können die Promovierenden von der einzigartigen Forschungsinfrastruktur der Berliner Kooperationspartner profitieren. Die anspruchsvollen Arbeitsvorhaben werden keineswegs nur von etablierten Wissenschaftler*innen vorgeschlagen. „Wir ermuntern insbesondere junge Projektleiter*innen, innovative Ideen einzubringen”, hebt Lonjaret hervor. Auch das ist eine wichtige Facette der Nachwuchsförderung, für die EC2 steht.

 

Internationalität ist dabei selbstverständlich. Etwa die Hälfte der Doktorand*innen kommt aus dem nichteuropäischen Ausland – und knapp ein Viertel von ihnen setzt die Forschungen nach Beendigung der Doktorarbeit in Berlin fort. Das mag auch an den exzellenten Aussichten liegen: In das Einstein-Zentrum fließen bis 2025 rund 9,3 Millionen Euro, für UniSysCat stehen seit 2019 jährlich rund sechs Millionen Euro für die nächste Stufe der Katalyseforschung bereit: der Entschlüsselung, Erzeugung und Kontrolle von Reaktionsnetzwerken.

 

Die Anwendung liegt dabei niemals fern. Die Laborkooperation BasCat, 2011 von der Technischen Universität Berlin und dem Chemiekonzern BASF angestoßen, ist ein Paradebeispiel industrienaher Forschung. Viele Absolvent *innen nutzen das Berliner Umfeld auch, um eigene Ideen auf den Markt zu bringen. Die neu gegründete Chemical Invention Factory (CIF) bietet umfangreiche Unterstützung für Gründer*innen, zugeschnitten speziell auf nachhaltige Anwendungsbereiche der Katalyse (siehe „Prinzip Kreislauf”). Die CIF ist damit die jüngste, aber sicher nicht die letzte Initialzündung des Berliner Katalyse-Verbunds.

 

Text: Michael Sven Meier, Eva Murasov
Foto: 
Las Coleccionistas Photography, Pau Arregui Home Economist


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