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ALBERT fragt ...

Ein Beitrag aus ALBERT Nr. 11 "Gesundheitsforschung"

Ist RNA-Technologie der Schlüssel zu einer neuen Medizin?

Antwort von Markus Landthaler

 

mRNA (messenger RNA) dient im Körper als Bauanleitung für Proteine. Für therapeutische Zwecke wird sie künstlich hergestellt und in Zellen eingeschleust, wo sie bestimmte Proteine produzieren lässt, etwa Virusbestandteile zur Immunisierung oder Antikörper. Um in die Zellen zu gelangen, wird sie in winzige Fettkügelchen, sogenannte Lipid-Nanopartikel, verpackt. Die Grundlagen dieser Technologie, die durch die COVID-19-Pandemie bekannt wurde, reichen bis in die 1980er-Jahre zurück. Heute gilt sie als gut erforscht, sicher und vielseitig einsetzbar.

Aktuell wird die mRNA-Technologie in zahlreichen Studien weiterentwickelt, insbesondere in der Krebsmedizin. Ziel ist es, das Immunsystem so zu trainieren, dass es Tumorzellen früh erkennt und effektiv bekämpft. Erste Studien bei Hautkrebs zeigen vielversprechende Ergebnisse. Auch Anwendungen gegen Infektionskrankheiten oder zur gezielten Herstellung von Antikörpern oder Wachstumsfaktoren, die Zellen „sagen“, wann und wie sie sich erneuern sollen, werden derzeit erprobt. Perspektivisch könnten individuelle Tumorimpfstoffe sogar innerhalb weniger Tage hergestellt werden – ein deutlicher Fortschritt.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Optimierung der mRNA selbst, teils mithilfe von Künstlicher Intelligenz. So könnten künftig geringere Dosen genügen, was mögliche Nebenwirkungen reduziert. Die mRNA wird dabei im Körper wie natürliche RNA abgebaut und stellt keinen Fremdkörper dar.

Anders als viele klassische Medikamente, die krankhafte Prozesse hemmen, liefert mRNA eine Bauanleitung für heilende oder fehlende Proteine. Damit eröffnet sie ganz neue Wege – von der Therapie bis zur Prävention.

Experte

Markus Landthaler ist Professor für RNA-Biologie an der Humboldt‑Universität zu Berlin und als Molekularbiologe am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des Max Delbrück Center (MDC-BIMSB) tätig. Er erforscht, wie die Genaktivität auf Ebene der mRNA reguliert wird und für neue therapeutische Ansätze genutzt werden kann.

März 2026