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ALBERT fragt ...

Ein Beitrag aus ALBERT Nr. 11 "Gesundheitsforschung"

Wie können die Heilkräfte der Natur die konventionelle Medizin bereichern?

Antwort von Georg Seifert

 

Bei akuten Erkrankungen ist die konventionelle Medizin oft sehr wirksam. Häufig fehlt jedoch der ganzheitliche Blick auf Gesundheit. Naturheilkunde und traditionelle Verfahren bieten dafür ein großes Spektrum an Strategien: ein umfassendes System aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensempfehlungen. Die Kneippsche Gesundheitslehre ist das bekannteste mitteleuropäische Beispiel für ein solches Konzept.

Gerade bei lebensstilbedingten Erkrankungen braucht es komplexe Interventionen: Übergewicht beispielsweise entsteht selten aus einer einzigen Ursache – neben Ernährung und Bewegung muss auch die mentale Gesundheit beachtet werden. Die Wirksamkeit ganzheitlicher Behandlungsansätze können wir überprüfen, indem wir qualitative Methoden zur Ermittlung der Patientenperspektive mit der quantitativen Datenanalyse von Laborwerten und Biosignalparametern kombinieren. So ergibt sich eine Art Evidenzmosaik.

Ein Schwerpunkt liegt auf Prävention und der Förderung von Gesundheitskompetenz: Besonders bei belastenden Therapien wie einer Krebsbehandlung können gezielte Trainings, Ernährungsempfehlungen oder Mind-Body-Ansätze die Resilienz der Patient:innen stärken. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin setzt zudem auf pflanzenbetonte, vollwertige Ernährung in der Patient:innenversorgung.

Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts machen ein Umdenken von Gesundheitssystemen hin zu Präventionssystemen notwendig – chronische Krankheiten nehmen zu, die Bevölkerung altert, Versorgungssysteme stoßen an ihre Grenzen. Weil Hochleistungsmedizin global nicht flächendeckend verfügbar ist, setzt auch die WHO künftig verstärkt auf integrative Verfahren.

Experte

Georg Seifert ist Professor für Naturheilkunde und Integrative Medizin in der Kinderheilkunde an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Leiter des Charité Competence Center for Traditional and Integrative Medicine (CCCTIM). Der Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf komplementären und integrativen Verfahren.

März 2026