Wird Long COVID heilbar sein?

Antwort von Carmen Scheibenbogen
Long COVID beschreibt anhaltende Symptome nach einer Infektion mit SARS-CoV-2-Viren – von Erschöpfung über kognitive Störungen bis hin zu Schlafproblemen. Eine besonders schwere Form ist ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom), die bei etwa zehn bis 20 Prozent der Long-COVID-Erkrankten auftritt. Dabei verschlimmern sich die Symptome häufig schon nach leichter Anstrengung und führen zu einem „Crash“, auch Post-Exertionelle Malaise (PEM) genannt. Dieser kann Wochen bis Monate andauern und den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Postinfektiöse Symptome können auch nach anderen Infektionen auftreten, besonders bei Frauen – ein Umstand, der ihre Akzeptanz erschwert: Erkrankungen wurden lange Zeit als psychiatrische Störungen eingeordnet und ihre wissenschaftliche Untersuchung wurde vernachlässigt. Auch bei Long COVID sind drei Viertel der Betroffenen Frauen. Heute weiß man, dass ein fehlgesteuertes Immunsystem und Autoantikörper, die sich gegen den eigenen Körper richten, eine Schlüsselrolle spielen. Erste Therapiestudien, darunter zur Immunadsorption – ein Verfahren zur Entfernung solcher Antikörper –, zeigen positive Ergebnisse. Allerdings gibt es noch keine zugelassenen Therapien.
Allein in Deutschland gibt es mindestens eine Million Long-COVIDErkrankte. Die Hoffnung auf Heilung, zumindest für einen Teil von ihnen, ist jedoch realistisch. Denn eine Grundlage für die Medikamentenentwicklung haben wir schon: Wir kennen Marker und können im Blut sehen, wenn Zellen Autoantikörper produzieren. Jetzt hängt es von Forschungsmitteln ab, wie schnell Medikamente auf den Markt gebracht werden können.
Expertin
Carmen Scheibenbogen leitet die Abteilung Immundefekte und Postinfektiöse Erkrankungen am Institut für Medizinische Immunologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS) und Long COVID. Sie leitet die größte Ambulanz für erwachsene Menschen mit ME/CFS in Deutschland.
März 2026

