Böttcher und Guzmán haben das letzte Jahr [2025] genutzt, um ihre Monographien zu verfassen. Außerdem hat Guzmán im Juni an der "25. International Research Conference" der "Latin American Jewish Studies Association" als Organisator und Vortragender teilgenommen. Abschlussbericht: Böttchers Monographie mit dem Titel „Entschädigung und Wiedergutmachung von Berliner Jüdinnen und Juden in Bolivien und Ecuador, 1933-1970“ charakterisiert die die Gruppe der Emigranten und Antragsteller auf Wiedergutmachung bzw. Entschädigung im andinen Lateinamerika.
Es werden die Umstände der Flucht ins Exil, Reiserouten, Einreisebedingungen und ein vollständiger Neuanfang in der Fremde beschrieben. Besondere Bedeutung hat dabei das Bildmaterial aus den Berliner Archiven in Form von Fotos von Wohnungseinrichtungen, Handzeichnungen von Wertgegenständen, Schmuck und Porzellan, die die individuellen Lebensumständen vor und nach der der Flucht reflektieren. Weiterhin wurden den Entschädigungsanträgen Originaldokumente wie Flugtickets, Bahnfahrkarten, Schiffspassagen, Gepäckversicherungsscheine und Visumsanträge beigelegt. Die Geschichte der jüdischen Gemeinden mit ihren Institutionen, Akkulturationsproblemen und politischen Kontroversen verlief in Bolivien und Ecuador sehr ähnlich. Für viele Juden waren beide Länder quasi Wartesäle. Die Dauer des Aufenthalts in Lateinamerika verzeichnete große Unterschiede. Nachdem die Einwanderung erst spät erfolgt war, nämlich nach dem „Anschluss“, der Pogromnacht und der Wannseekonferenz, als Fluchtwege in andere Länder nicht mehr offenstanden, setzte nur wenige Jahren nach Kriegsende eine Abwanderungswelle ein. Viele emigrierten erneut von Bolivien bzw. Ecuador nach Buenos Aires und New York oder kehrten nach Deutschland zurück, andere blieben über zwanzig Jahre in Lateinamerika.
Das Ende der fünfziger Jahre stellte insofern eine Zeitenwende dar. Viele Juden waren erneut abgewandert, die Bleibenden hatten sich allmählich assimiliert. Die Arbeit der jüdischen Hilfsorganisationen verlor an Bedeutung und das Verhältnis zur Bundesrepublik wurde neu definiert, nicht zuletzt durch die Wiedergutmachungspolitik. Manuskript im Juni beim Verlag eingereicht. Böttcher hat ferner eine biographische Skizze über den Berliner Kunstkritiker Paul Westheim verfasst und auf der Internetseite Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora veröffentlicht: https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/vorschau/beitrag/gjd:article-49 [04.05.2026].
Guzmáns Band "Allende, Pinochet and the Jews" untersucht die Beziehung zwischen der jüdischen Gemeinde Chiles, dem Staat Israel und den beiden bedeutendsten politischen Persönlichkeiten Chiles im 20. Jahrhundert: Salvador Allende und Augusto Pinochet. Basierend auf freigegebenen Archivmaterialien aus Chile, Israel, Deutschland und jüdischen Organisationen in den Vereinigten Staaten wird analysiert, wie die Politik des Kalten Krieges das jüdische Leben in Chile umgestaltet hat, und stellt konventionelle Annahmen über Antisemitismus und ideologische Ausrichtung in Lateinamerika infrage. Ein zentraler Beitrag des Buches ist die Rekonstruktion der Rückkehr jüdischer Deutscher aus Chile nach Westdeutschland nach Allendes Wahlsieg 1970. Anhand von Archivquellen aus Berlin, Santiago und jüdischen Hilfsorganisationen zeigt Guzmán, dass eine bedeutende Anzahl von Holocaust-Überlebenden und deutschsprachigen Juden – von denen viele sich nach dem Zweiten Weltkrieg geweigert hatten, ihre deutsche Staatsangehörigkeit zurückzugewinnen – aus Angst vor politischer und wirtschaftlicher Instabilität unter der Unidad-Popular-Regierung beschlossen, Chile zu verlassen. Die Studie verortet die jüdische Migration daher im weiteren Kontext des Kalten Krieges, des Exils, der Erinnerung und der transnationalen Identität. Das Buch argumentiert außerdem, dass sowohl Allende als auch Pinochet positive Einstellungen gegenüber Juden und Israel hatten, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Während Allendes Philosemitismus aus antifaschistischen Überzeugungen und Unterstützung des Zionismus beruhte, betrachtete Pinochets Regime Israel als strategischen Verbündeten und jüdische Chilenen als sozial und wirtschaftlich einflussreiche Akteure.

