Mit Unterstützung der Einstein-Stiftung entwickelte die Friedrich Schlegel Graduiertenschule (FSGS) ein innovatives Programm für Doktoranden, das Nachwuchswissenschaftler aus dem Globalen Süden auf ein Promotionsstudium in Deutschland vorbereiten soll. Fördermöglichkeiten und formale Hürden im Bewerbungsprozess erschweren qualifizierten Absolvent:innen häufig den Zugang. Das 2022 gestartete PreDoc-Programm setzte genau hier an. In einem mehrstufigen Modell wurden die Teilnehmenden zunächst in ihren Heimatländern digital auf eine Promotion vorbereitet. Online-Kurse vermittelten Kenntnisse zum wissenschaftlichen Arbeiten, zur Erstellung von Exposés und Motivationsschreiben sowie zu Bewerbungsverfahren und Drittmitteleinwerbung. Ergänzend erhielten die Stipendiat:innen frühzeitig Zugang zu digitalen Bibliotheksressourcen der Freien Universität Berlin sowie individuelle Betreuung durch Professor:innen der FSGS.
Insgesamt wurden während der dreijährigen Förderphase 16 Nachwuchswissenschaftler:innen gefördert. Neben der digitalen Vorbereitung absolvierten sie Forschungsaufenthalte in Berlin von drei bis zwölf Monaten. Während ihres Aufenthalts wurden sie intensiv administrativ und inhaltlich begleitet, nahmen an diversen Workshops teil und knüpften wissenschaftliche Kontakte. Einige Teilnehmende konnten im Anschluss erfolgreich Drittmittel – unter anderem DAAD-Stipendien – einwerben.
Neben dem einjährigen Stipendium wurden auch mehrere Kurzzeitstipendien (bis zu drei Monate) an Nachwuchswissenschaftler:innen vergeben, die sich zu Beginn ihrer Promotionsphase befanden. Dieses Format diente insbesondere dem Kennenlernen des deutschen Wissenschaftssystems, der Knüpfung wissenschaftlicher Kontakte sowie der Teilnahme an Workshops zur Vorbereitung eines wissenschaftlichen Exposés. Das Interesse stieg in der Folge deutlich, was sich in höheren Bewerbungszahlen und einer stärkeren internationalen Sichtbarkeit der FSGS widerspiegelte.
Das Programm hatte spürbare strukturelle Effekte: Der Anteil internationaler Promovierender an der FSGS stieg signifikant, insbesondere aus Afrika, Asien und Südamerika. Diese größere geografische Vielfalt führte zu einer Erweiterung der Forschungsperspektiven und zu einer stärkeren multiperspektivischen Ausrichtung der Projekte.
Die im Projekt aufgebaute digitale Infrastruktur und die entwickelten Materialien stehen weiterhin den internationalen Bewerber:innen zur Verfügung. Das Programm leistet einen nachhaltigen Beitrag zur systematischen Internationalisierung auf Promotionsniveau in den Geisteswissenschaften. Durch niedrigschwellige digitale Zugänge, gezielte individuelle Förderung und eine klare strukturelle Anbindung an die Graduiertenschule eröffnete es insbesondere Bewerber:innen neue Perspektiven, die bislang von etablierten Mobilitäts- und Austauschformaten weitgehend ausgeschlossen waren.

