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Fragebogen: Kallol Ray

Lieber Kallol Ray,

was bewegt Sie bzw. das Forschungsgebiet der bioanorganischen Chemie und Katalyse derzeit am meisten?
Was mich schon immer fasziniert hat, ist die Art und Weise, wie die Natur chemische Reaktionen steuert – viele davon sind nicht nur für die Existenz lebender Organismen unerlässlich, sondern auch für die Lösung der aktuellen Energieprobleme. Biologische Prozesse nutzen seit einigen Milliarden Jahren Enzyme, die chemische Reaktionen erfolgreich in verschiedenen Zellkompartimenten katalysieren. Daher sollte sich zukünftige Katalyse-Forschung nicht nur auf das Nachahmen aktiver Zentren von Enzymen konzentrieren, sondern auch auf spezielle Reaktionsräume und -umgebungen. 
 

Was bedeutet für Sie Qualität in der Forschung (und gibt es etwas, das Sie in der Forschungspraxis gern ändern würden)?
Die Qualität in der Forschung wird heutzutage überwiegend anhand numerischer Kennzahlen (Zahl der Publikationen, Impact-Faktoren, Zitierungen, h-Index) bewertet. Ich bin jedoch der Meinung, dass dieser Ansatz kein objektives Maß für die Leistung eines Forschenden darstellt. Den Überblick über alle relevanten Artikel aus dem jeweiligen Fachgebiet zu behalten wird zudem schwieriger. Ich würde mir eine einzige Plattform für die Kommunikation von Forschungsergebnissen aus allen Fachgebieten wünschen. Dies könnte Forschende bewegen, sich einzig auf die Qualität ihrer Forschung zu konzentrieren – ohne Highscore- oder Quantitätsdruck. 
 

Welchen gesellschaftlichen Herausforderungen muss sich die Forschung in Ihrem Fachgebiet derzeit stellen?
Die zunehmende Fokussierung auf anwendungsorientierte Forschung hält junge Forscher davon ab, sich einem Gebiet mit komplexer und zeitaufwändiger Grundlagenforschung, wie der bioanorganischen Chemie zuzuwenden. Unsere Forschungsergebnisse zu veröffentlichen ist zudem sehr anspruchsvoll, erfordert viel Geduld und Ausdauer. 

Ich bin fest davon überzeugt, dass es zunehmend schwieriger wird bedeutende Fortschritte auf der Anwendungsseite zu erzielen, wenn nicht deutlich mehr Mittel und Anstrengungen in die Grundlagenforschung fließen. Unsere Forschung versucht die Natur der Katalyse-Prozesse bis ins kleinste Detail zu verstehen. Dies liefert die Voraussetzungen für die Entwicklung nachhaltiger Systeme z. B. zur effizienten Umwandlung von Sonnenenergie oder zur sinnvollen Nutzung von Methan und CO2. Daher ist es sehr wichtig, dass wir junge Talente für diesen Bereich gewinnen können.
 

Gibt es einen Gegenstand, der Sie in Ihrem (Arbeits-)leben begleitet?
Nein. Eigentlich nicht. Was mich jedoch in meinem Arbeitsalltag begleitet, ist die Leidenschaft für die Wissenschaft und die Vorfreude darauf, eines Tages vielleicht Teil einer weltverändernden Erfindung zu sein.
 

Ihr(e) Held:in der Wissenschaft?
Mein geschätzter Doktorvater, Prof. Karl Wieghardt. Seine Aussage „Wenn du deine Wissenschaft liebst und ihr etwas zurückgibst, wird sie weiter gedeihen und dir etwas zurückgeben“ hat mich nachhaltig geprägt. Während meiner Ausbildung zum Wissenschaftler und Lehrer bin ich aber noch vielen weiteren pädagogischen Förderern begegnet. Ihre Begeisterung für die Forschung, die Weitergabe von Wissen in der Lehre und die Anleitung junger Studierender ist nun auch meine eigene und ich bin entschlossen, diese edle Tradition fortzuführen.
 


Mai 2026